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Service - Bibliothek - Das Ende des Regenwaldes

Das Ende des Regenwaldes

Erst stirbt der Wald, dann der Mensch

"ZeitenWENDE" (Ausgabe 26 / 2007)
Franziska Ute Gerhardt

Inzwischen wissen es alle: Der tropische Regenwald ist bedroht, und das hat etwas mit dem Klima zu tun. Davon sind auch wir in Europa betroffen! Selbst die Politiker, die sich in der Regel blind und taub stellen, wenn es um ökologische Probleme geht, leugnen nicht mehr die drohende Katastrophe. Bekannt ist, dass die tropischen Regenwälder die wichtigsten Speicher für das Klimagas CO² (Kohlendioxid) sind, aber die näheren Zusammenhänge wurden systematisch verschleiert; daher wissen nur die wenigsten darüber Bescheid. Es ging ja um die Begünstigung einer mächtigen Lobby.

Bedeutet der neuerdings zu beobachtende Aktionismus der Politiker ein ernst gemeintes Umdenken, oder werden augenblicklich nur Potemkinsche Dörfer gebaut, um dann wieder zum "business as usual" überzugehen?

Fakt ist: Heute sind mindestens 50% des ursprünglichen Regenwaldes schon zerstört. Schuld daran ist die immense Gier der reichen Industrienationen nach Rohstoffen wie Tropenholz, Zellstoff, Gold, Erdöl, Kautschuk, Palmölprodukten und neuerdings Koltan für Handys und PCs.

Aber vor allem vernichtet der in den letzten Jahrzehnten weltweit explosionsartig angestiegene Fleischkonsum den Regenwald. In Südamerika und Südostasien wurden und werden riesige Flächen für Weidewirtschaft und Futtermittelanbau gerodet. Im Fokus der "Klima-Politik" der Regierungen und der Berichterstattung der Medien stehen die CO²-Emissionen, verursacht durch Schwerindustrie, Energiewirtschaft, Individualverkehr und private Haushalte. Der immense Fleischkonsum dagegen wird als wesentliche Ursache des Klimawandels kaum erwähnt. Das Methangas aus dem Verdauungstrakt der Rinder und Schafe, die für den Fleisch- sowie Milchkonsum und für Wolle gezüchtet werden, macht ca. 18 Prozent der "Klima-Killer" aus, genauso viel wie der Individualverkehr (mit Flugzeug und Auto).

Die EU ist längst auf Futtermittel-Importe angewiesen. Soja für die Schweinemast wird mehr und mehr im brasilianischen Amazonasgebiet angebaut, und die Bundesregierung und ihre Institutionen sind mitverantwortlich für Projekte, die massiv zerstörerische Eingriffe in der Amazonasregion bewirken. Brasilien ist der zweitgrößte Sojaexporteur der Welt. Aber auch in den Regenwaldgebieten von Bolivien und Paraguay wird Soja vermehrt angebaut, denn seit BSE ist Sojaschrot das wichtigste Futtermittel in der Massentierhaltung. Brasilien besitzt noch riesige Flächen, auf denen die Produktion ausgeweitet werden soll, vor allem in den Regenwäldern am Amazonas.

22 Millionen Hektar Regenwald und andere wertvolle Naturräume sind durch Soja-Anbau in Südamerika bedroht. Die weltweite Gier nach Fleisch kennt keine Grenzen, "das große Fressen" im Amazonas-Regenwald geht weiter: Der brasilianische Kongress wird demnächst über eine Gesetzesvorlage entscheiden, nach der 50 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zur landwirtschaftlichen Nutzung und für die Weidewirtschaft gerodet werden sollen! Das entspricht ca. der vierfachen Fläche Portugals!

Das Hauptgeschäft macht der Agrar-Multi "Maggi", dem die bundeseigene Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) einen 12-Millionen-US-Dollar-Kredit zum weiteren Ausbau der Anbauflächen gegeben hat.

Fakt ist: Deutschland ist einmal wieder Weltmeister, diesmal im Papierverbrauch. Jede/r Deutsche verbraucht im Durchschnitt 230 kg Papier pro Jahr (Brasilien 40 Kg.). "Unsere Zukunft liegt im Klopapier", sagte ein Manager des Zellstoff-Konzerns Aracruz. Eine breite Schneise von Eukalyptus-Plantagen dieser Zellstoff-Firma zieht sich durch den brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo und hat den artenreichen Mata Atlantica (Atlantische Regenwald) komplett zerstört. Aracruz-Zellstoff gelangt auch auf den deutschen Markt und steckt in Produkten von Kimberly Clark (Hakle, Kleenex), Procter & Gamble (Tempo-Taschentücher, Pampers, Bounty-Haushaltsrollen).

Auch die Regenwälder Südostasiens sind akut bedroht. Auf Sumatra fressen Plantagen für Palmöl und Zellstoff für blütenweißes Papier die Heimat von Waldelefant, Sumatra-Tiger und Nashorn. Einheimische werden systematisch von Plantagenkonzernen vertrieben, Flüsse werden mit Abwässern vergiftet, Lebensraum wird zerstört. Führend sind die indonesischen Konzerne APRIL und APP. Geschäfte mit diesen Regenwald-Vernichtern machen auch deutsche Unternehmen und Banken wie die Hamburger Paper Union ("Paper One"). Deutsche Banken geben millionenschwere Kredite, die durch die Bundesregierung mit Hermesbürgschaften abgesichert werden. Der Konzern APRIL setzt damit seinen Vernichtungsfeldzug für die Zellstoffproduktion in anderen asiatischen Ländern wie zum Beispiel Malaysia fort.

Ähnlich steht es um Borneos Regenwälder. Mit finanziellen Garantien will die Weltbank (Deutschland ist drittgrößter Geldgeber der Weltbank) eine 1,2 Milliarden US-Dollar teure Zellstoff-Fabrik in Südkalimantan absichern. Das geplante Projekt bedroht die ohnehin schon stark geschädigten Urwälder - die Heimat der letzten Orang-Utangs. Laut Regenwald Report 4/05 und Recherchen von Global 2000 (Wien) ist die Deutsche Bank über "United Fiber System" (UFS) in die Zellstoffproduktion in Südkalimantan und damit in die Regenwaldzerstörung direkt verwickelt.

Die Düsseldorfer Westdeutsche Landesbank (WestLB) ist auch in die Zerstörung der Regenwälder verstrickt. Sie finanziert die Ölpipelines, die sich durch die ecuadorianischen Bergregenwald-Regionen fressen. Die Gier nach dem schwarzen Gold vernichtet dort den Lebensraum unzähliger Menschen und Tiere. All dies sollte der WestLB bekannt sein, ebenso die Ermordung und Inhaftierung von Umweltaktivisten, die den Bau der Pipelines verhindern wollten.

Die wahrlich brandaktuellste Bedrohung der Regenwälder geht aber derzeit von selbst ernannten Klimaschützern aus: "Biodiesel". Für diesen Biodiesel werden zur Zeit auf Kalimantan (Borneo) riesige Waldbestände durch Brandrodung vernichtet, um dort Palmölplantagen zu errichten. Die Bevölkerung kann die Rauchbelastung über hunderte Kilometer nur mit Atemschutzmasken aushalten. Unzählige Tiere kommen in den Flammen um. Zynischerweise werden durch diese Brände, die angeblich der Einsparung von CO² dienen sollen, auch noch Unmengen dieses Treibhausgases, das bisher im Boden gebunden war, freigesetzt. Auch deutsche Kommunen wollen ihre Energiewirtschaft auf "Bio" umstellen. Befürworter des "Biodiesel" verweisen auf die Dringlichkeit der drohenden Klimakatastrophe. Dass der Anbau von Rohstoffen für Bio-Kraftstoff die letzten intakten Regenwaldgebiete bedroht, wird in Kauf genommen!

Für den Raubbau an den Regenwäldern sind also keineswegs nur die lokalen Regierungen und Bevölkerungen verantwortlich sowie die viel geschmähte Korruption vor Ort. Die Schuldigen sind Weltbank, IWF, die Regierungen der Industrienationen und die Banken, die mit den Lobbyisten und ihren Großkonzernen gemeinsame Sache machen. Schließlich geht es um das ganz große Geld. Der Raubbau ist aber nicht nur die Folge des Profitstrebens der Konzerne Banken und Regierungen, sondern vor allem sind die Konsumgewohnheiten der Menschen in den westlichen Industrienationen der Grund für den globalen Kahlschlag.

Es geht um die Lebensgrundlagen unzähliger Tiere und Menschen, und zwar nicht nur vor Ort, sondern auch in unseren Regionen. Sterben die großen Waldgebiete der Erde, dann stirbt auch bald der Mensch. Der Schutz der Regenwälder ist kein Luxus für bessere Zeiten! Gerade für Globalisierungs-kritische Menschen, wie sie in unserer Partei zusammengeschlossen sind, sollte er absolute Priorität haben.

II. Quartal 2007


Quellenangabe und Adressen für weitere Informationen zum Thema Regenwaldzerstörung können bei der Redaktion angefragt werden.

Wikipedia-Artikel "Regenwald"
www.faszination-regenwald.de - Faszination Regenwald e.V.
www.umsu.de - Der Tropische Regenwald - Eine Online-Ausstellung
Die Regenwaldseite (deutsch)
www.umweltkids.de - "Kids für die Umwelt": Einführung in die Regenwaldproblematik und weiterführende Informationen
www.regenwald.org - Webseite von "Rettet den Regenwald e.V."
www.poema-deutschland.de - POEMA - Armut und Umwelt in Amazonien
www.pro-regenwald.de - Website von Pro REGENWALD, München
www.tropica-verde.de - Regenwaldschutz in Costa Rica
www.regenwald-peru.de - Ökologischer Landbau als Regenwaldschutz
info.greenpeace.ch - Links zu Firmen, die Holz mit dem FSC-Siegel verkaufen
Zerstörung der Wälder kaum gebremst (Netzeitung, 21. März 2006)
Manipulation der öffentlichen Meinung in den USA (über den Regenwald) Quelle:OEW
The Rainforestsite (englisch)
www.robinwood.de
www.treffpunkt-recyclingpapier.de


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Foto: Arbeitskreis Tierrechte & Ethik

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