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Reden wir Tacheles!
Über die Verursacher der Klimakatastrophe
"ZeitenWENDE" (Ausgabe 29 / 2008)
Franziska Ute Gerhardt
Nur noch wenige Jahre gibt man uns noch, sonst ist die Erderwärmung irreversibel! Frau Merkel wollte tatsächlich ein klares Wort mit Herrn Bush reden - mit dem Erfolg, dass er sich die Äußerung abrang, er habe nicht ernsthaft vor, irgendetwas an seiner Politik zu ändern. Unser Umweltminister Sigmar Gabriel schmuste derweil medienwirksam mit Knut. Gleichzeitig schmilzt das Eis der Arktis, und den Eisbären, die noch nicht in Zoos evakuiert sind, geht es miserabel. Aber einigen kommt das Abschmelzen der Polkappen durchaus gelegen, denn sie gelangen dadurch besser an das darunter vermutete Erdöl und Erdgas.
Die UNO und die meisten Industrienationen lassen panisch für Millionen Euro die Erderwärmung erforschen … und beginnen endlich nachzudenken. Auch in der Schweiz dachte man, und zwar darüber nach, wie man die Alpengletscher vor dem Abschmelzen schützen könne. Vorschlag: mit Folien überziehen, die die Sonneneinstrahlung reflektieren sollen. Die Absurdität hat keine Grenzen und übertrifft längst diejenige der legendären Schildbürger. (Als Kinder haben wir über die gelacht: Sie wollten nämlich in Säcken Tageslicht in ihr Rathaus transportieren, weil sie beim Bau die Fenster vergessen hatten).
Die größte Sorge der Alpenländer gilt ohnehin immer noch dem Wintersport-Tourismus; man wird dort nervös, weil es nicht auf ewig gelingen wird, den fehlenden Schnee durch Energie-intensiven Kunstschnee zu ersetzen.
Während Energiesparlampen propagiert werden, bekommt in Deutschland jede mittlere Großstadt ihren eigenen Flughafen, aus Prestigegründen und angeblich wegen der Arbeitsplätze. Es gab sogar schon Überlegungen, ob man nicht das CO2 irgendwie aus der Atmosphäre extrahieren und im Meer oder im Boden einlagern könne, ähnlich dem strahlenden Atom-Müll. Apropos Atom: Die Atomlobby wittert Morgenluft und hofft, den halbherzigen Ausstieg rückgängig machen zu können. Natürlich werden die denkbar ungelegen gekommenen Störfälle im vergangenen Jahr mit unglaublicher Dreistigkeit und krimineller Vertuschungstaktik verharmlost.
Die Energiekonzerne nutzen indes die Lage zur unverschämten Abzocke der Kunden. Die neueste Schnapsidee, die bereits eifrig in die Tat umgesetzt wird, ist die, mit Schnaps im Tank zu fahren, mit so genanntem Biosprit, Alkohol aus Zuckerrohr oder mit Raps- und Palmöl, für dessen Anbau auf Kalimantan (Borneo / Indonesien) große Regenwaldflächen gerodet werden. Die indonesische Regierung vermutet hier ein sattes Geschäft. Abgesehen davon, dass damit die letzten Lebensräume der Orang-Utans und unzähliger anderer Tiere und Pflanzenarten endgültig vernichtet werden, entweichen bei der Rodung der Torfböden riesige Mengen CO2 in die Atmosphäre. Was soll eigentlich noch alles "verheizt" werden?
Brüssel will die Verordnung rückgängig machen, 10 Prozent der Anbauflächen Europas in Brachland zur Erhaltung der Biodiversität zu verwandeln, um darauf Raps für Biokraftstoffe anzubauen.
Im Fokus der internationalen Diskussion um den Klimaschutz steht nach wie vor das so genannte Kyoto-Protokoll. Darin verpflichten sich die Nationen, ihre klimaschädlichen Emissionen um einen bestimmten Prozentsatz zu verringern. Gleichzeitig eröffnet das Kyoto-Protokoll die Möglichkeit zum "Emissionshandel", also Handel mit den Rechten auf Verschmutzung (zutreffender: „Verseuchung“) der Atmosphäre. Dabei können Staaten, die ihr "Recht" auf ein gewisses Kontingent an klimaschädlichen Emissionen nicht voll ausnutzen, dieses an andere Länder weiterverkaufen. Wieso hat man das Wort "Verschmutzungsrecht", das seitdem durch die Medien geistert, nicht wenigstens einmal zum Unwort des Jahrzehnts gewählt? Solche Konstrukte sind keiner Diskussion würdig; die Zeit der Flickwerke und Augenwischereien muss vorbei sein! Trotzdem tun die Staatsoberhäupter so, als sei das ominöse Kyoto-Protokoll das A und O des Klimaschutzes - eine lächerliche Volksverdummung und Selbstberuhigung.
Die Fakten: Die Erde erhitzt sich, das Klima kollabiert, die Umweltzerstörung ist gigantisch.
Wer trägt Schuld am drohenden Erdenkollaps? Das CO2 aus Industrieanlagen und den Auspuffrohren der Millionen privater PKWs , wie es die öffentliche Meinung ist? Auch, aber dies ist nur die halbe Wahrheit. Die konventionelle Landwirtschaft und die Massentierhaltung zerstören die natürlichen Lebensräume und verstärken beträchtlich den Treibhaus-Effekt, denn das dort anfallende Methangas zählt zu den ganz großen Klimakillern. Lange verschwiegen wurde der Zusammenhang von "Nutztierhaltung" und Klimawandel, aber jetzt ist sogar die FAO (Welternährungsorganisation) aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und hat in einer umfangreichen Studie darauf hingewiesen. Also: Wer Fleisch isst oder Milch trinkt, ist mitverantwortlich für das Desaster. Aber welcher Politiker will schon die Massen vergraulen, deren Wählerstimmen über sein/ihr politisches Sein oder Nichtsein entscheiden? In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hieß die politische Marschroute nun einmal: Konsum "auf Teufel komm raus" und "Nach uns die Sintflut"! Im Prinzip gilt diese Marschroute immer noch, denn die europäische Milchindustrie freut sich gerade, die asiatischen Märkte endlich erschlossen zu haben. Das Problem der Methangas-Emissionen bei Schafen und Rindern wollen australische Forscher in den Griff bekommen, indem sie diesen Tieren gentechnisch veränderte Bakterien, neuerdings auch Bakterien aus Känguru-Mägen in den Verdauungstrakt einbringen. Die Tiere müssen wieder leiden, weil Mensch auf keinen Fall von lieb gewordenen Konsumgewohnheiten ablassen will und die entsprechenden Branchen keine Umsatzrückgänge dulden.
"Wachstum" und effektiver Klima- und Umweltschutz bedeuten schlicht die "Quadratur des Kreises"!
Schließlich: Wer sind die wahren Verursacher der heraufziehenden Katastrophe? Doch wohl in erster Linie diejenigen, die vorausschauend denken sollten und die Macht haben, die Lobbyisten aus Wirtschaft und Industrie in Schach zu halten: unsere Politiker. Sie legen bei ihrem Amtsantritt einen Schwur ab: "Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde." Schwüre sind eben auch nicht mehr das, was sie einmal waren!
Aber das (Wahl-)Volk scheint sich daran nicht zu stören. Denn wie sonst lässt sich erklären, dass diese politischen Anthropozentriker der vergangenen Dekaden, welche die Welt in wenigen Jahren an den Rand des Abgrunds gesteuert haben, immer noch fest im Sattel sitzen. Ich spreche von den Bushs, Kohls, Schröders und Merkels, von den Schäubles, Seehofers, Becksteins, und wie diese Begünstiger einschlägiger Konzerne alle heißen. Einige lassen sich feiern als Klimaschützer, wie Angela Merkel, die, nachdem sie George Bush nicht überzeugen konnte, nach Grönland reiste, um vor Ort effektvoll ihre Besorgnis zu inszenieren.
Eine Komödie par excellence angesichts der Horrorbotschaft des Klimarates der Vereinten Nationen, der am 17. November letzten Jahres in Valencia (Spanien) tagte. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon brachte es auf den Punkt: "Die schlimmsten Szenarien sind so furchterregend wie ein Science-Fiction-Film!"
Unsere Schuld am drohenden Klimakollaps besteht auch darin, dass diese inkompetente und völlig uneinsichtige "Polit-Elite" immer noch den Ton angibt. Würden wir Menschen einer anderen Spezies angehören, hätten wir sie nämlich schon längst von der sonnigen Lichtung weg und hinüber ins dunkle Dickicht gejagt, wo sie bei Weitem nicht so große Flurschäden anrichten könnten!
I. Quartal 2008
Foto: aboutpixel.de / icebaer yannick














