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Politik - Europawahl 2009 - Wahlprogramm - Massentierhaltung

5. Massentierhaltung in der EU

Von März bis September 2008 hat die Europäische Nutztierschutzvereinigung - ECFA - 60 repräsentative Schweinebetriebe in 5 EU-Staaten besucht. Dabei wurden überall tierquälerische Bedingungen und Gesetzesübertretungen festgestellt.


Die meisten trächtigen Mutterschweine leben in engen Gitterboxen, sodass sie sich nicht einmal umdrehen können. Mastschweine vegetieren in überfüllten Buchten mit Vollspaltenböden ohne Stroh. Fast alle Schweine hatten kupierte Schwänze, obwohl dies in der EU verboten ist. In vielen Betrieben fehlte das Beschäftigungsmaterial, obwohl in allen Betrieben, die seit 2003 um- oder neu gebaut wurden, dies vorgeschrieben ist.

Ähnlich katastrophal ist die Lage für Mastrinder, Milchkühe, Mastkaninchen, Legehennen, Puten, Gänse und Enten - empfindungsfähige Lebewesen zu bloßen "Produktionseinheiten" degradiert!

Mit den etablierten Parteien wird sich an der tierquälerischen Massentierhaltung in der EU kaum etwas ändern, weil bei ihnen Tierschutzpolitik nicht den notwendigen Stellenwert hat. Das Leiden der Tiere geht bis heute unvermindert weiter.

Mit großer Sorge verfolgt die Partei Mensch Umwelt Tierschutz die Entwicklungen bezüglich der zunehmenden Massentierhaltung. Fest steht auch, dass der Konsum von Fleisch der nicht artgerecht gehaltenen, gequälten und gestressten Tiere für den Menschen mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist.

Darüber hinaus trägt die extrem hohe Bestandsdichte an "Nutztieren" in der EU erheblich zum Treibhauseffekt bei. Weltweit verursacht die "Viehwirtschaft" mit 18,3 Prozent CO2-äquivalenten Treibhausgasen mehr Klimaschädigung als der globale Individualverkehr, der rund 14 Prozent ausmacht. Ein Mastrind produziert im Schnitt 20 Kilogramm Dung pro Tag, was bei Betrieben mit 10.000 Tieren zu 200.000 Kilogramm Exkrementen führt und dem organischen Abfall einer Stadt mit 110.000 Einwohnern entspricht. Die in der Intensiv- bzw. Massentierhaltung anfallende Menge an Gülle belastet aber nicht nur das Grundwasser, sondern trägt auch maßgeblich zum Waldsterben bei.

Laut neuester UNO-Studie hungern rund 923 Millionen Menschen, trotz einer weltweiten Getreideernte von 1,57 Milliarden Tonnen (Wirtschaftsjahr 2006). Bei einer Weltbevölkerung von 6,6 Milliarden Menschen stünde jedem pro Tag 652 Gramm Getreide als Nahrung zur Verfügung. Doch rund 50 Prozent der weltweiten jährlichen Getreideernte und 90 Prozent der jährlichen Sojabohnen-Welternte werden an "Nutztiere" verfüttert. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7 bis 16 kg Getreide oder Sojabohnen. Bei der Umwandlung von Getreide in Fleisch gehen durch diese künstliche Verlängerung der Nahrungskette unter anderem 90 Prozent Eiweiß, 99 Prozent Kohlenhydrate und 100 Prozent Faserstoffe verloren. Nichts trägt in so massiver Form zur Nahrungsmittelvernichtung bei wie der Fleischverzehr! Es ist eine schockierende Tatsache, dass für die Erzeugung von 300 kg Rindfleisch 2.500 Liter Treibstoff für Landrodung, Futtermittelanbau, Tiertransporte usw., 3,5 Tonnen Futtermittel wie Getreide oder Soja, 600.000 Liter Wasser für den Futtermittelanbau und 14.600 Liter Wasser für das jeweilige Einzeltier verbraucht werden. Die ökologischen Belastungen betragen dadurch 3 Millionen Liter Kohlendioxid durch Verbrennung des Treibstoffes, 200.000 Liter Verdauungsgase der Tiere und 14,6 Tonnen Dung bzw. Gülle, die das Grundwasser verseucht.

Ein großer Teil des weltweit knappen Trinkwassers wird für die globale Nutztierhaltung verwendet, aber für viele Menschen wird es immer knapper. Heute haben bereits rund 1,2 Milliarden Menschen kein ausreichend sauberes Trinkwasser!

All diese Fakten sind auch in Brüssel bekannt, aber die EU-Politiker am Gängelband der mächtigen Agrar-Lobbyisten unternehmen nichts, um die Massentierhaltung zu reduzieren.

Unsere Forderungen:

Eine grundlegende Agrarwende muss her!

Gesetzesübertretungen in der Massentierhaltung innerhalb der EU müssen härter bestraft werden. Tierquälerei darf nicht als Kavaliersdelikt bewertet werden!

Fernziel in der EU muss der tierlose ökologische Landbau sein, bei dem aus ökologischen, aber vor allem aus ethischen Gründen auf jegliche Tierhaltung verzichtet und mit den natürlichen Lebensräumen verantwortungsvoll umgegangen wird.

Als realistische Übergangslösung befürworten wir die Bewirtschaftung mit ökologischer und "artgerechter" Tierhaltung unter strengen Kontrollen durch Tierschutzbeauftragte.

Anbindehaltung und lebenslanges Einpferchen von Säuge- bzw. Wirbeltieren ist zu beenden. Tierquälerische Hühnerbatterien und ähnliche Anlagen zur Haltung von Puten, Enten, Gänsen, Kaninchen, Straußen usw. sind ohne Übergangsfristen und ausnahmslos gesetzlich zu verbieten. Deshalb können wir auch die bisher vorgesehene Übergangsfrist für die Käfighaltung von Hennen bis zum Jahr 2012 so nicht hinnehmen.

Zu stützen sind nicht Intensiv- und Massentierhaltungen, sondern bäuerliche Kleinbetriebe mit ökologischem Anbau und so genannter artgerechter Tierhaltung. Diese müssen vorrangig durch EU-Subventionen und durch nationale steuerliche Maßnahmen gefördert werden.

Wir setzen uns für eine Kennzeichnungspflicht ein, damit die Erzeugungsart von Fleisch- und Milchprodukten für den Konsumenten klar ersichtlich wird. Als weitere notwendige Maßnahme betrachten wir ein EU-Verbot der Werbung für Fleisch- und Milchprodukte - ähnlich dem Verbot für Zigaretten- und Tabakwerbung.

Wir fordern ferner für alle landwirtschaftlichen Betriebe innerhalb der EU die Einführung einer jährlichen Emissionsabgabe, deren Höhe sich aus dem jeweiligen Tierbestand errechnet.

Eine weitere Forderung besteht in einem EU-Importverbot für Produkte tierlichen Ursprungs, die nachweislich aus der Intensivhaltung stammen.


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Foto: www.soylent-network.com

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