Welche Parteien in der EU sind für Tierschutz – welche gegen Tierschutz?

Einige Tierschutz-Abstimmungen sind für diese Legislaturperiode 2024-2029 vorgesehen, etwa zu Tiertransporten, zur Käfighaltung und zu Pelzfarmen.

Über alles tierschutzrelevante werden wir stets ausführlich berichten. Wir möchten die Transparenz darüber erhöhen, welche Abgeordneten und welche Parteien sich besonders für Tierschutzstandards einsetzen, und welche sich gezielt gegen Tierschutzverbesserungen stemmen, was teilweise mit absurden Fake News einhergeht. Zu beachten ist, dass es sich um Tierschutz, nicht um Tierrechte, handelt und wir sehnlichst auf echte Tierschutzverbesserungen in der EU für die sogenannten „Nutz“tiere warten.

Wir werten stets auch das Stimmverhalten über alle Änderungsanträge aus, denn die Schlussabstimmungen können oftmals wenig über die tatsächliche Haltung bezüglich des Tierschutzes aussagen, da einigen der finale Text zu weit geht, anderen zu wenig Tierschutz enthält.

 

10.03.2026 Jagd auf Robben, Wale und Delfine

Man möchte meinen, dass sich Politik und Gesellschaft seit langem einig darin sind, dass Robben, Wale und Delfine nicht abgeschlachtet werden sollten. Das Europaparlament stimmte aber gegen entsprechende Änderungsanträge zur „Entschließung zu den Bewirtschaftungsmaßnahmen für die Fischerei zum Schutz gefährdeter Arten, zur Bekämpfung invasiver Arten und zugunsten der lokalen Wirtschaft“ (2025/2011(INI)).

Die Abgeordneten Anja Hazekamp und Sebastian Everding von der niederländischen sowie deutschen Tierschutzpartei organisierten fünf Änderungsanträge mit diesen Inhalten:

  1. in der Erwägung, dass bei einer von der Kommission ausgerichteten öffentlichen Konsultation 94 % der Befragten angaben, dass sie das Inverkehrbringen von Robbenerzeugnissen auf dem Markt ablehnen bzw. entschieden ablehnen und als Maßnahme zur Bestandsbewirtschaftung nicht gutheißen; in der Erwägung, dass 89 % der Befragten angaben, dass die Jagd auf Robben schwere moralische Bedenken aufwirft
  2. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Größen regionaler und lokaler Populationen, den Status und die Tendenzen von Arten sowie die potenziellen Auswirkungen von Überfischung und unausgewogenen Fischpopulationen auf empfindliche Arten wie Wale und Delfine sowie auf die Tragfähigkeit der Fischereitätigkeiten zu bewerten, damit für eine ökosystembasierte Bewirtschaftung der Fischerei mit Maßnahmen zum Schutz empfindlicher Arten gesorgt ist
  3. ersucht deshalb die Kommission und die Mitgliedstaaten, bei der Auswahl der zu ergreifenden Maßnahmen sämtliche mit der Vogelschutzrichtlinie und der Habitat-Richtlinie bereitgestellten Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, um so ein aktives und wirksames Populationsmanagement stärker zu erleichtern und eine ökosystembasierte Bewirtschaftung zu fördern, wobei das von der EU verhängte Verbot des Handels mit Robbenerzeugnissen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1007/2009 und der Verordnung (EU) 2015/17751a uneingeschränkt aufrechterhalten werden muss, das eingeführt wurde, um den schwerwiegenden Bedenken von Bürgern und Regierungen hinsichtlich Tierwohlerwägungen im Zusammenhang mit dem Leid, das diesen Tieren bei der Tötung widerfährt, Rechnung zu tragen
  4. fordert die Färöer erneut auf, ihre als Grindadráp bezeichnete umstrittene jährliche Jagd auf Grindwale einzustellen; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, eine verbindliche Herkunftslandkennzeichnung für Fischereierzeugnisse von den Färöern einzuführen, um für mehr Transparenz auf dem Binnenmarkt zu sorgen und es den Verbrauchern zu ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen; fordert die Kommission auf, im Einklang mit Artikel 22 des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Färöern aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit und des Schutzes der Gesundheit und des Lebens von Menschen und Tieren in Erwägung zu ziehen
  5. bringt seine Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass der Europäische Aal auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „stark gefährdet“ aufgeführt ist; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen zu stärken, die auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Gutachten beruhen

Von diesen wurden die Nummern 1, 2 und 3 namentlich abgestimmt. Zusätzlich wurden diese Passagen abgestimmt, wovon Nummern 7 und 8 namentlich abgestimmt wurden:

  1. Stresses the importance of science-based MPA management plans, including their environmental, social and economic dimensions and outcomes, to ensure that conservation measures are targeted, effective and aligned with ecosystem-specific needs and that their implementation is effective
  2. highlights the EU target of protecting 30 % of EU seas by 2030
  3. Urges the Commission to ensure that the EU’s fisheries management approaches are aligned with the CFP, the EU Biodiversity Strategy for 2030 and the EU’s international commitments such as the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework
  4. stresses, in this regard, that actions should be taken to halt the decline of sensitive species in EU marine ecosystems, including through the implementation of appropriate conservation measures and habitat protection

Die parlamentsweiten Abstimmungsergebnisse waren:

Nummer Dafür Enthaltung Dagegen Ergebnis
1 Zitat Konsultation 45,2% 14,7% 40,1% angenommen
2 Wale/Delfine 40,6% 4,6% 54,8% abgelehnt
3 Robben 35,6% 14,1% 50,2% abgelehnt
4 Färöer Grindwale 44,6% 3,6% 51,8% abgelehnt
5 Europäischer Aal abgelehnt
6 angenommen
7 74,1% 2,0% 23,9% angenommen
8 72,4% 2,6% 25,0% angenommen
9 angenommen
Entschließung insgesamt 86,4% 10,1% 3,4% angenommen

Die fünf Änderungsanträge von Hazekamp und Everding wurden von insgesamt 87 Abgeordneten mitgezeichnet. Im Parlament stimmten dann zwischen 217 und 277 Abgeordnete für diese, aber nur für den Änderungsantrag 1, in dem die Unterstützung der europäischen Bevölkerung für das Verbot des Handels mit Robbenerzeugnissen zitiert wird, fand sich auch eine Mehrheit. Das bedeutet, dass eine knappe Mehrheit der Abgeordneten den Willen der Bevölkerung akzeptiert, aber sich dann keine Mehrheit dafür findet, diesem Befund auch Gesetzeskraft folgen zu lassen. Zum Glück gilt das Verbot des Handels mit Robbenerzeugnissen bereits, sodass diese beschämende Abstimmung erstmal keine Auswirkung haben wird. Ebenso fand sich keine Mehrheit für ein Ende des brutalen Abschlachtens von Walen und Delfinen auf den Färöerinseln.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass sogar der Vorsitzende der „Interfraktionellen Arbeitsgruppe Wohlergehen und Erhaltung von Tieren“ gegen die Änderungsanträge stimmte. Es scheint, dass der politische Tierschutz sehr schwierige Zeiten derzeit durchmacht.

Bezüglich der Robbenerzeugnisse ist oben die Karte mit den Abstimmungsergebnissen je Mitgliedstaat zu finden und im Folgenden die Tabelle der Abstimmungsergebnisse der Parlamentsfraktionen:

EP-Fraktion Aufrechterhaltung des Verbots des Handels mit Robbenprodukten
The Left
(Linke)
100,0 %
Greens/EFA
(Grüne)
97,9 %
NI
(fraktionslose)
60,9 %
Renew Europe
(Liberale & Demokraten)
52,3 %
Progressive Alliance of Socialists & Democrats
(Sozialdemokraten)
41,5 %
European People’s Party
(Christdemokraten)
13,8 %
European Conservatives and Reformists (Nationalkonservative) 11,0 %
Patriots for Europe
(Nationalisten)
10,9 %
Europe of Souvereign Nations
(Rechtsextreme)
0,0 %

 

23.10.2025: Trophäenjagd

Das Europäische Parlament verabschiedete einen Entschließungsantrag zu den strategischen Zielen der EU für die 20. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen („CITES“). Der originale Text des Umweltausschusses wurde unverändert vom Parlament beschlossen und wäre damit nicht weiter spektakulär. Wenn da nicht ein zutiefst tierschutzfeindlicher Änderungsantrag der nationalistischen Fraktion „Patriots for Europe“ gewesen wäre. Sie betrantragten, dass folgender Absatz

„Das Europäische Parlament fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die Einfuhr von Jagdtrophäen, die von in dem CITES aufgeführten Arten stammen, im Einklang mit dem Aktionsplan der EU  zur Bekämpfung des illegalenArtenhandels verstärkt zu kontrollieren; fordert, dass die Anforderungen an Einfuhrgenehmigungen auf alle Jagdtrophäen ausgeweitet werden, die in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates aufgeführt sind, sofern nichts anderes wissenschaftlich nachgewiesen wird“

geändert werden sollte zu:

„Das Europäische Parlament fordert einen verhältnismäßigen und einzelfallorientierten Ansatz für Einfuhren von Jagdtrophäen in die EU, um sicherzustellen, dass sie aus legalen Jagdtätigkeiten stammen; betont, dass die legale Jagd zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, zum Schutz von Lebensräumen und zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ländlicher Gemeinschaften beitragen kann.“

Sie  forderten also das Gegenteil des ursprünglich beabsichtigten Artenschutzes.

Besonders auffällig war das Abstimmungsverhalten der französischen und tschechischen Abgeordneten, die zu 50 % für diesen Änderungsantrag stimmten, was den Höchstwert der Landesergebnisse darstellt. Auf der anderen Seite stimmten 100 % der finnischen und irischen Abgeordneten gegen den Änderungsantrag.

Insgesamt stimmten 65,7 % der Europaparlamentarier:innen dagegen, sodass der Vorstoß der „Patriots for Europe“ glücklicherweise scheiterte. Mit ihnen stimmten lediglich die ebenfalls rechtsradikalen „Europe of Souvereign Nations“ und die „European Conservatives and Reformists Party“ für die Trophäenjagd. Somit bestätigt sich der Zusammenhang zwischen menschen- und tierschutzfeindlicher Ideologie.

Europäische Partei Ablehnung der Trophäenjagd
European Green Party
(Grüne)
100,0 %
European Left Alliance for the People and the Planet
(Linke)
100 %
Party of the European Left
(Linke)
100 %
Alliance of Liberals and Democrats for Europe Party
(Liberale)
100 %
European Free Alliance
(Regionalparteien)
100 %
European Democratic Party
(Zentristen)
100 %
Party of European Socialists
(Sozialdemokraten)
100 %
European People’s Party
(Konservative/Christdemokraten)
73,1 %
parteilose 67,6 %
European Christian Political Party
(Christliche)
50 %
European Conservatives and Reformists Party
(Nationalkonservative)
11,8 %
Patriots.eu
(Nationalisten)
1,5 %
Europe of Souvereign Nations
(Rechtsextreme)
0,0 %

 

08.10.2025: „Veggie-Verbot“

Das Europaparlament stimmte über ein Amendment ab, das die Verwendung von folgenden Begriffen für nicht-tierliche Produkte verbieten will: Schnitzel, Hamburger und Burger, Steak, Wurst, Eigelb und Eiweiß. Eigentlich ging es um die Verordnung zur Stärkung der Position der Landwirt:innen in der Lebensmittelversorgungskette. Die konservativen und rechten Parteien wollten teilweise Umweltstandards absenken und die Medien entschieden sich dafür, dies zu ignorieren und die emotionalere Debatte zum Veggie-Verbot zu bespielen.

Ob dieses tatsächlich am Ende auch kommen wird, ist aber derzeit noch unklar. Denn die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission stehen noch an und die Mitgliedstaaten müssen dem Vorhaben mehrheitlich zustimmen.

54,9 % aller Abgeordneten stimmten für das Verbot. Rechts oben ist das Ergebnis der Abstimmung zum Amendment 113, bekannt als „Veggie-Verbot“, geografisch aufgeschlüsselt dargestellt. Es ergibt sich das Muster, dass die süd- sowie die osteuropäischen Mitgliedstaaten am stärksten die Tierausbeutungsindustrie schützen und pflanzliche Angebote behindern wollen. Irland, Luxemburg, Schweden und Finnland lehnen parteiübergreifend das Veggie-Verbot komplett ab. Ungarn hat die größte Zustimmung mit 95 %, gefolgt von Polen und Spanien mit jeweils 89 %. Womöglich sind sprachliche Eigenheiten ausschlaggebend, sodass am Ende eine EU-einheitliche Regulierung gar keinen Sinn ergeben würde.

Im folgenden die Übersicht nach europäischen Parteien, sortiert nach „Ja“-Anteil, also Zustimmung zum Veggie-Verbot. Grüne und die beiden linken Parteien (ohne Berücksichtigung des baskischen Abgeordneten, der drei Parteien zugleich nahesteht) weisen 0 % Zustimmung auf, sind also einheitlich komplett für die weitere Verwendung von Begriffen wie „Wurst“ oder „Burger“ für pflanzliche Produkte. Bei der grünen Fraktion, die auch nichtgrüne Parteien beherbergt, ist die Zustimmung 2,1 % und bei der linken Fraktion 3,2 %. Wie zu erwarten sind die Rechtsaußenparteien am anderen Ende der Tabelle. Überraschend schneidet aber die liberale ALDE ab, die offenbar erkannt hat, dass das Verbot eine Bevormundung der Konsument:innen ist.

Europäische Partei Zustimmung zum Veggie-Verbot
European Green Party
(Grüne)
0,0 %

Party of the European Left
(Linke)
0,0 %

European Left Alliance for the People and the Planet
(Linke)
0,0 %

Alliance of Liberals and Democrats for Europe Party
(Liberale)
7,1 %

European Free Alliance
(Regionalparteien)
20,0 %

Party of European Socialists
(Sozialdemokraten)
44,6 %

parteilose 53,4 %

European People’s Party
(Konservative/Christdemokraten)
60,8 %

European Democratic Party
(Zentristen)
66,7 %

Europe of Souvereign Nations
(Rechtsextreme)
86,4 %

European Conservatives and Reformists Party
(Nationalkonservative)
93,3 %

Patriots.eu
(Nationalisten)
93,5 %

European Christian Political Party
(Christliche)
100,0 %

Oben ist der Vergleich zwischen Ablehnung des Veggie-Verbots und dem Anteil an Fleischersatzprodukten in einem Diagramm dargestellt. Statistisch ist ein klarer Zusammenhang zu erkennen, aber insbesondere für Dänemark war das Abstimmungsverhalten auffallend veggiefreundlicher als der Markt es entsprechend hergegeben hätte. Gegen die marktlichen Trends in ihren Ländern stimmten die Abgeordneten der Niederlande (allerdings auf sehr hohem Niveau), Spanien und Polen.

 

 

19.06.2025: Verordnung über das Wohlergehen von Hunden und Katzen und ihre Rückverfolgbarkeit

Zur „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über das Wohlergehen von Hunden und Katzen und ihre Rückverfolgbarkeit“ (Text hier verlinkt) gab es 75 Anträge, wovon 46 für mehr Tierschutz und 29 für weniger Tierschutz waren. Insgesamt wurden 38 angenommen und 25 abgelehnt (die restlichen wurden fallengelassen). Unsere PM dazu ist hier zu finden.

Von den Anträgen für mehr Tierschutz wurden 23 angenommen und 16 abgelehnt. Von den Anträgen für weniger Tierschutz wurden 15 angenommen und 9 abgelehnt. Das heißt, dass die Anträge für weniger Tierschutz relativ betrachtet leider etwas erfolgreicher waren, aber es in absoluten Zahlen mehr Anträge für mehr Tierschutz gab.

Am häufigsten wurden die Anträge des Umweltausschusses befürwortet, die weit überwiegend zum Ziel hatten, den Tierschutz zu stärken. Am zweithäufigsten jedoch wurden die Anträge des Agrarausschusses befürwortet, die weit überwiegend zum Ziel hatten, den Tierschutz zu reduzieren.  Schwer hatten es die Fraktionsanträge von Grünen und Linken, bei denen nur jeder vierte bzw. jeder dritte Antrag durchkam. Besser sah es bei den Anträgen der Sozialdemokraten und Liberalen aus, die aber jeweils nur zwei Anträge überhaupt einreichten.

Fraktionen und europäische Parteien

Schauen wir uns nun an, zu welchen Anteilen die Fraktionen im EU-Parlament für mehr Tierschutz stimmten, also wie oft die anwesenden Fraktionsmitglieder für die tierschutzstärkenden bzw. gegen die tierschutzabschwächenden Anträge stimmten. Mit 99,6 % war die Fraktion Greens/EFA für mehr Tierschutz und mit 97, 3 % die Fraktion THE LEFT (der wir angehören). Dann folgten die fraktionslosen Abgeordneten mit 66,6 %, die Progressive Allianz der Sozialdemokraten mit 62,2 % und die Renew-Fraktion mit 61,7 %.  Mit einigem Abstand dann die Fraktion der Patrioten für Europa mit 36,1 %, die Fraktion der Europäischen Volkspartei/Christdemokraten mit 23,5 % und die rechtsextreme ESN-Fraktion mit 21,3 %. Schlusslicht ist die ECR-Fraktion mit 10,1 %. Die offizielle Berichterstatterin, die den gesamten Prozess im parlamentarischen Ablauf leitete, kam übrigens ausgerechnet von der ECR-Fraktion.

Interessant ist auch die Streuung (gemessen als Standardabweichungen) innerhalb der Fraktionen. So gut wie einheitlich war das Abstimmverhalten innerhalb der Fraktion Greens/EFA. Sehr wenige abweichende Stimmen gab es bei ESN, S&D und THE LEFT. Im Mittelfeld sind ECR und EPP. Sehr starke innerfraktionelle Zerrissenheit gab es hingegen bei Renew und PfE. Dort divergierte das Stimmverhalten unter den einzelnen Abgeordneten sogar noch stärker als unter den Fraktionslosen. Bei der Renew-Fraktion wichen vor allem die deutschen Abgeordneten (Freie Wähler und FDP) ab und stimmten leider besonders oft gegen Tierschutzanträge.

Schaut man sich die Ergebnisse der wichtigsten Parteiweltverbände an, ergeben sich folgende Ergebnisse bei dieser Abstimmung im Europaparlament: 100,0 % Global Greens (Grüne), 61,1 % Progressive Alliance (Sozialdemokraten), 58,1 % Liberal International (Liberale), 57,2 % Socialist International (Sozialdemokraten), 18,7 % International Democracy Union (Nationalkonservative/Konservative), 18,2 % Centrist Democrat International (Christdemokraten/Konservative).

Und auf die offiziell registrierten europäischen Parteien aufgeschlüsselt ergibt sich diese Rangfolge:

Europäische Partei Zustimmung für mehr Tierschutz
European Green Party
(Grüne)
99,9 %

Party of the European Left
(Linke)
99,4 %

European Left Alliance for the People and the Planet
(Linke)
98,5 %

European Free Alliance
(Regionalparteien)
83,3 %

Party of European Socialists
(Sozialdemokraten)
62,4 %

Alliance of Liberals and Democrats for Europe Party
(Liberale)
60,8 %

European Democratic Party
(Zentristen)
56,7 %

parteilose 54,2 %

Patriots.eu
(Nationalisten)
36,3 %

European People’s Party
(Konservative/Christdemokraten)
23,1 %

Europe of Souvereign Nations
(Rechtsextreme)
21,3 %

European Christian Political Party
(Christliche)
14,1 %

European Conservatives and Reformists Party
(Nationalkonservative)
9,7 %

Länder

Vergleicht man die einzelnen Mitgliedstaaten miteinander, fällt ein Gefälle zwischen Nord-, West- und Südosteuropa auf der einen Seite und Zentral-, Ost- und Südwesteuropa auf der anderen Seite auf.

Ausschlaggebend für das Ergebnis eines Landes ist vor allem das Stimmverhalten der Konservativen und Nationalisten. Sie können eher pro Tierschutz sein, aber auch kategorisch gegen Tierschutz, wie in den meisten Ländern. So haben die polnischen Abgeordneten am stärksten gegen die Tierschutzanträge gestimmt, was vor allem daran liegt, dass sich dort die Konservativen, Nationalisten, Nationalkonservativen und Rechtsextremen einig in ihrer Ablehnung waren und zugleich Polen gar keine linken oder grünen Abgeordneten stellt. Hingegen stimmten die Rechtsaußenparteien von Bulgarien und Frankreich eher für die Tierschutzanträge. So hat im Ergebnis Bulgarien sogar die höchste Zustimmungsrate aller EU-Mitgliedstaaten.

Vergleicht man diese Ergebnisse mit den Ergebnissen des Eurobarometers zur Frage, ob Haustiere mehr Schutz benötigen, zeigt sich, dass einige Länder ganz klar gegen die politischen Prioritäten ihrer Wahlbevölkerung votiert haben. Vor allem Polen und Ungarn fallen hier sehr negativ auf. Offenbar überlagerte eine Ideologie, die sich pauschal gegen Maßnahmen der Kommission richtet, die sachpolitische Entscheidungsfindung.

Die niederländischen Abgeordneten hingegen haben ein deutlich tierschutzfreundlicheres Abstimmverhalten als die niederländische Bevölkerung. Die Abgeordnete der niederländischen Tierschutzpartei war krankheitsbedingt nicht an der Abstimmung beteiligt, aber könnte durch ihren jahrelangen unermüdlichen Einsatz eine entsprechende tierschutzaffine Einstellung erzeugt haben.

Grundsätzlich lassen die Umfragewerte jedoch vermuten, dass die meisten Delegationen im Europaparlament teils deutlich hinter den Erwartungen, Ansprüchen und Forderungen ihrer jeweiligen Wahlbevölkerung zurück blieben.

Parteien und Abgeordnete

Schaut man sich die nationalen Parteien an, so gibt es nur eine Partei, die geschlossen alle Anträge für mehr Tierschutz ablehnte und allen Anträgen für weniger Tierschutz zustimmte:

  • Die Perussuomalaiset („Finnenpartei“, ECR, Finnland), die aber auch nur einen Abgeordneten stellt.

Die folgenden Parteien verhielten sich ähnlich tierschutzfeindlich, hatten aber auch mind. eine Enthaltung:

  • Konfederacja Korony Polskiej („Konföderation der polnischen Krone“, NI, Polen),
  • Solidarna Polska („Solidarität Polen“, ECR, Polen),
  • Lega („Liga“, PfE, Italien),
  • SGP („Politische Reformierte Partei“, ECR, ECPP, Niederlande),
  • Nacionālā apvienība („Nationale Allianz“, ECR, IDU, Lettland),
  • LLRA–KŠS („Wahlaktion der Polen Litauens – Bund der christlichen Familien“, ECR, Litauen),
  • LVŽS („Bund der Bauern und Grünen Litauens“, ECR, Litauen),
  • sowie die beiden ehemaligen Mitglieder von Se Acabó la Fiesta („Die Feier ist vorbei“, ECR, Spanien).

Insgesamt gab es 40 Abgeordnete, die keinem einzigen Antrag für mehr Tierschutz zustimmten, darunter besonders oft Abgeordnete von VOX (PfE, Spanien) und PiS („Recht und Gerechtigkeit“, ECR, Polen).

81 Abgeordnete stimmten hingegen komplett im Sinne des Tierschutzes, ohne Enthaltungen. Bleiben also 465 Abgeordnete, die dazwischen rangieren.

Im Folgenden ist das Abstimmverhalten aller an der Abstimmung für das Wohlergehen von Hunden und Katzen beteiligten Abgeordneten dargestellt (inklusive nachträgliche Korrektur der Stimmabgabe, was im EU-Parlament bis eine Woche nach der Abstimmung möglich ist). Es gab insgesamt 23 Abstimmungen zu dieser Verordnung, davon 21 Änderungsanträge, die finale Schlussabstimmung sowie die Verweisung in die Verhandlungsausschüsse. Hier kannst du nachschauen, wie dein:e Abgeordnete:r abgestimmt hatte:

 

 

 

08.05.2025: Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs

Der Beschlusstext der „Entschließung des Europäischen Parlaments vom 8. Mai 2025 zu dem Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 92/43/EWG des Rates in Bezug auf den Schutzstatus des Wolfs (Canis lupus)“ ist  hier zu finden. Ziel war, den Schutzstatus des Wolfs in der EU-Habitatsrichtlinie herabzusenken, sodass Abschüsse leichter vorgenommen werden können. Zuvor fand die Herabstufung in den internationalen Bestimmungen der Berner Konvention statt und nach der Änderung der Habitatsrichtlinie kann das geänderte EU-Recht in den einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Die einzelnen Länder haben dann aber sehr große Handlungsspielräume, sodass es auch möglich ist, den Schutz praktisch unverändert zu belassen auf der nationalen, regionalen oder lokalen Ebene.

Länder

Schaut man sich das Abstimmverhalten im EU-Parlament an, fällt auf, dass sich Abgeordnete nur aus zwei Ländern klar gegen die Herabstufung aussprachen: Portugal und Slowakei. Für das slowakische Ergebnis ist insbesondere die Position der liberalen Partei verantwortlich, die entgegen ihrer eigenen Fraktionstendenz grundsätzlich außergewöhnlich stark ökologisch ausgerichtet ist.

Interessant ist, dass es insgesamt keinen statistisch relevanten Zusammenhang zwischen Größe oder Dichte der Wolfspopulation und dem Abstimmverhalten der Abgeordneten eines Landes gibt. Das heißt, der ideologisch-programmatische Faktor scheint alles zu überlagern.

Fraktionen und Parteien

Bei den Weltverbänden schneiden die Abgeordneten der Global Greens (Grüne) mit 96,8 % am wolffreundlichsten ab, gefolgt von 50,5 % der Progressive Alliance (Sozialdemokraten), 36,6 % der Socialist International (Sozialdemokraten). Am anderen Ende der Rangfolge sind mit 9,7 % die Abgeordneten der Liberal International (Liberale), mit 1,4 % der Centrist Democrat International (Christdemokraten/Konservative) und mit 1,0 % der International Democracy Union (Nationalkonservative/Konservative).

Bei den Fraktionen des Europaparlaments schneidet THE LEFT mit 96,7 % Ablehnung der Schutzsstatusabsenkung am besten ab, gefolgt von Greens/EFA mit 89,6%. Die Sozialdemokratische S&D ist mit 50,5 % gespalten, aber immer noch wolfsfreundlicher als die Fraktionslosen, von denen nur 22,2 % dagegen stimmten. Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) stimmte nur mit 11,2 % wolfsfreundlich, gefolgt von 2,7 % der nationalistischen PfE-Fraktion. ECR und ESN stimmten ausnahmslos gegen den Wolfsschutz.

Auf der Ebene der offiziell registrierten europäischen Parteien stimmten nur zwei vollständig gegen die Schutzstatusherabsenkung, beide in der Fraktion THE LEFT organisiert. Die Grünen und die Regionalparteien der EFA folgen dicht dahinter. Die vier Parteien EDP, ECPP, ECR und ESN stimmten jeweils komplett einheitlich für die Herabsenkung, die Patriots.eu fast einheitlich und alle anderen rangieren zwischen knapper Befürwortung (S&D) und klarer Befürwortung der Herabstufung (ALDE und EPP). Hier die Übersicht der europäischen Parteien bei dieser Abstimmung:

Europäische Partei Ablehnung der Schutzstatus-Herabsenkung
Party of the European Left
(Linke)
100,0 %

European Left Alliance for the People and the Planet
(Linke)
100,0 %

European Green Party
(Grüne)
97,3 %

European Free Alliance
(Regionalparteien)
75,0 %

Party of European Socialists
(Sozialdemokraten)
49,0 %

parteilose 33,8 %

Alliance of Liberals and Democrats for Europe Party
(Liberale)
26,8 %

European People’s Party
(Konservative/Christdemokraten)
8,9 %

Patriots.eu
(Nationalisten)
2,7 %

European Democratic Party
(Zentristen)
0,0 %

European Christian Political Party
(Christliche)
0,0 %

European Conservatives and Reformists Party
(Nationalkonservative)
0,0 %

Europe of Souvereign Nations
(Rechtsextreme)
0,0 %

Abgeordnete

Im Folgenden ist das Abstimmverhalten aller an der Abstimmung für das beteiligten Abgeordneten dargestellt. Es gab nur genau eine Abstimmung, ohne Änderungsanträge. Hier kannst du nachschauen, wie dein:e Abgeordnete:r abgestimmt hatte: