Erklärung zum Krieg in Gaza

Wir, die Unterzeichner:innen dieser Erklärung, Mitglieder der PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ, verurteilen das terroristische Attentat in Israel vom 7. Oktober 2023 und fühlen uns verbunden mit den Opfern und mit ihren Angehörigen. Menschen wurden verletzt, ermordet, entführt. Die meisten, die das Attentat erlebt und überlebt haben, werden noch lange, vielleicht lebenslang, unter der Traumatisierung zu leiden haben. Ohne Frage handelt es sich bei diesem Terrorakt, für den die Hamas die Verantwortung trägt, um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Wir fühlen uns auch verbunden mit denen, die seit über einen Monat um ihre entführten Angehörigen bangen und für ihre Freilassung kämpfen. Wir können nachvollziehen, wenn sie die israelische Regierung zu Verhandlungen mit der Hamas und zu einem Austausch von Gefangenen aufrufen.

Es ist unstrittig, dass ein Staat das Recht und die Pflicht hat, seine Bürger:innen vor Terror zu schützen. Der von Israel als Reaktion auf den Terrorakt begonnene Krieg ist aus unserer Sicht aber keine legitime Selbstverteidigung, sondern ein Vergeltungsakt gegen die palästinensische Zivilbevölkerung. Diese ist den Angriffen hilflos ausgeliefert, denn die Hamas-Regierung unternimmt nichts zu ihrem Schutz, sondern hindert die Menschen im Gegenteil an der Flucht. Innerhalb eines Monats haben nach Angaben, die von der UN bestätigt wurden, über 12.000 Menschen ihr Leben verloren, darunter mehr als 4000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Zahl der Schwerverletzten überschreitet die Marke von 25.000. (Tiere bleiben wieder einmal nahezu unbeachtet, doch auf Fotos sieht man sie: verschüttete, verletzte, traumatisierte Katzen und Hunde beispielsweise.)

Es wurden Zivilist:innen, es wurden alte Menschen, Kinder und sogar Babys getötet. Es wurde zerstört, was für die Menschen Heimat bedeutet: Wohnhäuser, Schulen, Geschäfte, Moscheen. Zudem sind 20 von 36 Krankenhäusern nach Bombardierungen nicht mehr funktionstüchtig. Nach Ansicht von Menschenrechtsorganisationen erfüllen die Bombardements ebenso wie der Aufruf zur Zwangsevakuierung des nördlichen Gazas und die Totalblockade den Tatbestand von Verbrechen gegen die Menschlichkeit beziehungsweise Kriegsverbrechen.

Das Narrativ, dieser Krieg sei alternativlos, teilen wir nicht.

Wir sind schockiert über Äußerungen führender israelischer Politiker:innen, die den Palästinenser:innen ihre grundlegenden Menschenrechte absprechen, ihnen „Strom, Essen, Sprit“ entziehen, weil sie „menschliche Tiere“ (Verteidigungsminister Galant) seien und ihnen „das Rückgrat brechen“ (Präsident Herzog) wollen, die Gaza in eine „Insel aus Ruinen“ (Ministerpräsident Netanjahu) verwandeln und die Bewohner:innen „nach Irland oder in die Wüste“ schicken (Kulturerbe-Minister Eliyahu) möchten. Eine Parlamentsabgeordnete von Netanjahus Likud-Partei, Tally Gotliv, fordert gar, Atomwaffen auf den Gazastreifen abzuwerfen und Gaza „ohne Gnade“ dem Erdboden gleichzumachen.

Sicher, diese Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen, der die eine oder andere Äußerung etwas relativieren könnte. Dennoch: Hier tritt eine beängstigende Menschenverachtung zu Tage, die wir ebenso ablehnen wie die Dschihad-Rhetorik der Qassam-Brigaden.

Unrecht ist nicht durch Unrecht zu legitimieren. Und Krieg führt perspektivisch niemals zu einer Lösung, sondern kurbelt die Gewaltspirale an. Wenn Mitglieder der deutschen Bundesregierung beinahe täglich Israel ihre volle, uneingeschränkte Solidarität zusichern und betonen, dies schließe „natürlich auch militärische Unterstützung mit ein“ (Robert Habeck), ist darin eine aktive Parteinahme zu sehen, deren moralische Rechtfertigung aus unserer Sicht sehr fragwürdig ist und die nicht zu einer Deeskalation beiträgt.

Wir, die Unterzeichner:innen dieser Erklärung, sind Mitglieder der PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ, weil sie eine humanitär und pazifistisch ausgerichtete Politik anstrebt. Vor diesem Hintergrund positionieren wir uns unmissverständlich gegen diesen grausamen und asymmetrischen Krieg. Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, ihre Rhetorik zu überdenken und wünschen uns einen offenen gesellschaftlichen Diskurs. An diesem Diskurs darf sich jeder beteiligen, der von hetzerischen und diskriminierenden Äußerungen absieht.

Antijüdische Aggressionshandlungen sind nicht tolerierbar und müssen scharf geahndet werden. Dabei geht es nicht „nur“ um die Verteidigung der im Grundgesetz festgeschriebenen Freiheitsrechte, es geht auch um eine aus der Geschichte erwachsene Verantwortung gegenüber Jüdinnen und Juden.

Wir wünschen uns, dass im Nahost-Konflikt auf allen Seiten eine Abkehr von Gewalt erfolgt, sämtliche Geiseln freigelassen werden, keine Bombardements mehr stattfinden, die Menschen in ihre Häuser, sofern diese noch existieren, zurückkehren können. Krieg ist keine Lösung – nicht in Gaza und nirgendwo sonst auf der Welt!

Auf dass die Waffen ruhen, Gaza wiederaufgebaut wird und trotz tief klaffender Wunden, Möglichkeiten eines friedlichen Neben- und Miteinanders des israelischen und des palästinensischen Volkes gefunden werden!

Gezeichnet von:
Dr. Marcel Krohn,
Bundesvorsitzender der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Dr. Susanne Wittmann,
Bezirksrätin in Oberbayern, Mitglied im Landesvorstand Bayern der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Sebastian Everding,
Vorsitzender des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der Partei Mensch Umwelt Tierschutz, Spitzenkandidat für die Europa-Wahl
1. Kammer Bundesschiedsgericht,
Bernhard Martin, Heidi Stümges, Miruna Xenocrat, Serafin Kühn-Breisch – Audiatur et altera pars – „Man höre auch die andere Seite“
Inka Seidel-Grothe,
Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf, Mitglied im Bundesvorstand der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Inan Erdogan,
Vorsitzender des Landesverbands Berlin der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Jennifer Witte,
Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg
Sabine Jedzig,
Bundesgeschäftsstellenleiterin der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Cornelia Schulz,
Bürgerdeputierte in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf, Mitglied im Landesschiedsgericht der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Dr. Peter Zimmer,
Vorsitzender des Landesverbands Sachsen der Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Fatima Zibi,
Mitglied im Landesvorstand Brandenburg der Partei Mensch Umwelt Tierschutz