EU-Mercosur: Rücksichtsloses Foul am Verbraucherschutz und Tierwohl

Die heutige Abstimmung des Europäischen Parlaments, in der über die Einholung eines Gutachtens zum Mercosur-Abkommen durch den Europäischen Gerichtshof entschieden wurde, kommentiert der Europaabgeordnete und langjährige Kritiker des Mercosur-Abkommens Sebastian Everding:

„Das Mercosur-Abkommen ist für alle, die fair spielen wollen, ein heimtückischer Tritt von hinten in die Wade. Heute wurde zumindest der EuGH als Schiedsrichter aufs Spielfeld gerufen, damit das Foul überprüft werden kann.“

Sebastian Everding weiter:

„Über Jahrzehnte haben sich europäische Verbraucher*innen gesünderes Essen, eine sauberere Umwelt und mehr Tierschutz erkämpft. Das Abkommen schneidet dreist Löcher in dieses Sicherheitsnetz. Fleisch, verarbeitete Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte werden in Südamerika auf eine Weise hergestellt, wie sie in der EU verboten ist. Die dortige Massentierhaltung bricht noch unsere niedrigsten Regeln, Tiere bekommen Wachstumshormone und verbotene Medikamente, gentechnisch veränderte Pflanzen werden verfüttert.“

Everding ergänzt:

„Während hier für bessere und artgerechte Formen der Tierhaltung gekämpft wird, schreibt das Abkommen bis auf wenige Ausnahmen keine Regeln zum Tierschutz vor. Verbraucher*innen in der EU können so weder Haltung noch Herkunft der Tiere nachvollziehen.“

„Wir wissen, dass der Amazonas für die Rinderzucht illegal gerodet wird. Wir wissen, dass die Landwirte dort Pestizide verspritzen, die bei uns aus gutem Grund verboten sind. Und wir wissen, dass dortige Qualitätskontrollen unterirdisch sind oder ausbleiben. Statt all dem einen Riegel vorzuschieben, holen wir uns diese Missstände nun auf den Essenstisch. So schadet das Abkommen Verbraucher*innen und einer nachhaltigen Landwirtschaft in der EU“, so Everding.

Everding bemängelt fehlende Regeln zum Pferdefleischimport:

„Im Abkommen wurde auch komplett versäumt, einen Stopp von Pferdefleischimporten festzuschreiben. Das ist ein unkontrollierbares Risiko für europäische Verbraucher*innen, vom Leid der Tiere dort ganz zu schweigen.“
In Argentinien werden ausgediente Arbeitspferde, aus Blutfarmen ausgemusterte Stuten, ausgediente Renn- und Polopferde und gestohlene Pferde geschlachtet und nach Europa exportiert. Zwischen Peru und Argentinien herrscht ein reger illegaler Handel mit Pferdefleisch, in dem mafiöse Organisationen und korrupte Mitarbeiter der Polizei und Gesundheitsbehörde SENASA Geld scheffeln und waschen. Verbraucher-, Gesundheits- und Tierschutzorganisationen kritisieren diese Geschäfte seit Jahren.

Everding sagt abschließend:

„Diesen Pferden werden Medikamente wie das schädliche Phenylbutazon gegeben, die in der EU seit Jahren verboten sind, wenn das Fleisch auf unseren Essenstisch kommt. Die Abgabe der Medikamente wird in Argentinien nicht dokumentiert, eine Kontrolle ist praktisch unmöglich. Selbst interne Überprüfungen der EU-Kommission kommen zu diesem Schluss.“