Gnadenhof Eifel: Kritik an Hunde-Beschlagnahmung in Harscheid / Vorgehen des Veterinäramtes

Offener Brief

Guten Tag, sehr geehrte Frau Landrätin,

auf die unten anhängende Anfrage erhielt ich von Ihrem Beigeordneten H. G. als Sprachrohr Ihres Amtsveterinärs am 18.03.2024 in Kurzfassung die Nachricht, dass es

a) nicht zu den Aufgaben eines Veterinäramtes gehöre, private Tierhaltungen mit Personal auszustatten, und

b) dass lt. einem Gerichtbeschluß aus dem Jahr 2010 für jeden Hund eine Stunde menschlicher Betreuung pro Tag gefordert wurde.

Dass das Leben in einer Gruppe oder einem Rudel Artgenossen nicht mit der Einzelhaltung (Zwingerhaft?) eines Hundes gleichzusetzen ist, der keinen anderen Sozialpartner als (s)einen Menschen hat, kam geflissentlich nicht zur Sprache. [§2 (2) (3)]

Man fragt sich jedoch, welches Tierheim in Rheinland-Pfalz denn so vom Land ausgestattet wäre, um sich die lt. Ihrem Amtsveterinär notwendige Anzahl Betreuer leisten zu können, und ganz besonders, wie dies auf Gewinn abzielende Tierpensionen handhaben?

Und so kommen wir zum aktuellen Fall, wo genau dieser Kontakt zur bekannten Bezugsperson d. h. Frau Liane Olert, siebenundvierzig (47!) Tieren nunmehr unmöglich gemacht wird:

Mit Entsetzen habe ich Presse und Internet entnommen, dass Ihr Veterinäramt Dutzende Hunde aus dem o. g. Gnadenhof mit gerichtlichem Segen verschleppt und über die Bundesrepublik verteilt hat, interessanterweise unmittelbar, nachdem sich bei einem Hoffest unzählige Menschen vor Ort von dem guten Zustand der Hunde vergewissern konnten. Im Internet ist auch zu lesen, dass Tierheime, die den Gnadenhof Eifel wohl kennen, sich weigerten, von dort Hunde zu übernehmen, da es den Tieren dort gut ginge.

Bitte legen Sie die Kosten, die durch das Betreiben Ihres Veterinäramtes verursacht wurden, offen und ebenso, wer und in welchem Umfang nun auf Kosten der Allgemeinheit von der Betreuung der ihrer Heimat beraubten Tiere profitiert – fahrlässigerweise, statt Frau Olert, wie schon am 15.03.2024 vorgeschlagen, Unterstützung vor Ort zu gewähren.

Das Leid, das den hilflosen Tieren mit der Aktion Ihres Veterinäramtes angetan wurde, lässt sich vermutlich nie mehr gutmachen, von dem der älteren Dame spreche ich gar nicht.

Ich möchte an dieser Stelle auch meiner Überraschung Ausdruck verleihen, dass Ihr Veterinäramt überhaupt gegen den Gnadenhof Eifel aktiv geworden ist:

Als die Tierschutzpartei im letzten Jahr zwei Mal (am 22.10. und am 05.11.2023) bei Ihrem Veterinäramt anfragte, „in wieweit seit Inkrafttreten die Einhaltung des Gesetzes zur Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration durch die Mitarbeiter des Veterinäramtes in Ahrweiler überwacht wurde“ wurde dies ignoriert, uns jede Antwort verweigert – dies kann nur als Zeichen für die jahrelange Untätigkeit Ihres Veterinäramtes gewertet werden, woran auch die wenig aussagekräftige pauschale Antwort des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums Monate später nichts änderte: Es gibt keinen Bestätigung, dass das Bad-Neuenahrer Veterinäramt seine Überwachungspflichten in Bezug auf Nutztiere erfüllt, keine Bestätigung, dass im Kreis Ahrweiler keine Ferkel mehr betäubungslos und gesetzeswidrig schmerzhaften Kastrationen unterzogen werden.

Ich bin gezwungen anzunehmen, daß es vorgezogen wurde, gegen eine einzelne ältere Frau mit der ganzen Wucht Ihrer Veterinär-Behörde vorzugehen, als sich mit Schweinezüchtern, die üblicherweise über hervorragende Verbindungen zu Behörden und zur Politik verfügen, anzulegen. Wieviel einfacher ist es doch, Hunde aus angeblich beanstandenswerter privater Haltung zu entführen, als todgeweihten Nutztieren gegenüber professionell Tiere quälenden Gewohnheitstätern zu ihrem Recht zu verhelfen?

Sie, sehr geehrte Frau Weigand, haben die Möglichkeit, den Eindruck von „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ zu zerstreuen:

Holen Sie die alle Hunde des Gnadenhofes Eifel zurück, stellen Sie Frau Olert so viele ausgebildete Tierpfleger zur Seite, wie verantwortungsvolle Fachleute in Bezug auf die Anzahl Hunde für nötig halten, und versuchen Sie, das immense allen Involvierten verursachte Leid wieder gut zu machen.

Mit tierfreundlichem Gruß,
Barbara Schwarz
2. Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland Pfalz

 

Am 15.03.2024, schrieb Barbara Schwarz:

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Landrätin,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

von verzweifelten Tierfreunden wurden wir inständig gebeten, uns für den Erhalt des Gnadenhofes Eifel und für die vielen dort lebenden Hunde einzusetzen.

Von der Kreisverwaltung Ahrweiler kennen wir diese Stellungnahme: https://kreis-ahrweiler.de/stellungnahme-der-kreisverwaltung-ahrweiler-zur-online-petition-gnadenhof-eifel/

Vom BEN Kurier diese Online-Veröffentlichung: https://ben-kurier.de/2024/03/10/gnadenhof-eifel-in-harscheid-51-alte-und-kranke-hunde-sollen-ihr-zuhause-verlieren/?fbclid=IwAR0_SrrUCx8f-5VcMj0ifqqN9Bpl5lcEd8JJ1gSF4whKiOaRj3KpweBuT7Y

Tiere und ihr Schutz haben für uns immer oberste Priorität, und deshalb hoffen wir sehr, dass bei allen Entscheidungen über den Gnadenhof und den Verbleib der Hunde bedacht wird, dass es sich bei diesen um Familien- = Rudeltiere handelt, denen man zumindest psychisches Leid zufügt, wenn man ihnen ihre Bezugspersonen und ihre Familie, ihr Rudel nimmt.

Statt den Gnadenhof auseinanderzureißen und die Mehrzahl Tiere, viele meines Wissens alt und krank, auf andere, ohnehin schon überbelegte Tierheime zu verteilen, schlage ich vor, der älteren Dame, Frau Olert, die den Gnadenhof seit vielen Jahren mit Herzblut und hauptamtlich betreibt, eine(n) ausgebildete(n) Tierpfleger(in), den/die die Kreisverwaltung oder Gemeinde anstellt, zur Seite zu stellen. Damit könnte sicherlich allen Beteiligten, Mensch und Tier, am besten geholfen werden: Sie könnten sicherstellen, dass Ihren Ansprüchen an artgerechte Haltung Genüge getan wird, und der von vielen Tierfreunden geschätzte Gnadenhof Eifel könnte für seine vielen hilfsbedürftigen Bewohner Heimat bleiben.

Für die Prüfung meines Vorschlages wäre nicht nur ich dankbar.

Für alle Tiere!

Freundliche Grüße,
Barbara Schwarz
2. Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland Pfalz