Forderung an die EU-Kommission und die rumänische Regierung: Kastration statt Tötung!

Hunderttausende „Straßenhunde“ leben in Rumänien – viele von ihnen sind verletzt, ausgehungert, verängstigt. Ohne medizinische Versorgung, ohne Schutz vor Kälte und vor Gewalt. Und in rund 140 sogenannter „Kill-Shelter“ endet ihr Leben voller Leid und Qualen oft nach nur 14 Tagen Gefangenschaft. Auch eine aktuelle Dokumentation auf ProSieben geht dieser grausamen Realität auf die Spur.

Über dieses System und den Umgang mit Streunerpopulationen, über Impfungen, Sterilisationen, Kastrationen etc. haben wir uns bei mehreren Veranstaltungen in Brüssel lösungsorientiert ausgetauscht – denn die Politik muss dringend humane Alternativen ermöglichen! Aus diesen Treffen sind unsere Forderungen an die EU-Kommission und die rumänische Regierung sowie ein konkreter 8-Schritte-Plan hervorgegangen:

 

Die gemeinsame Forderung an die Europäische Kommission und die Regierung Rumäniens

 

Wir fordern eine sofortige tierschutzgerechte Neuausrichtung der europäischen und nationalen Maßnahmen im Umgang mit Straßenhunden: Kastration statt Tötung muss zum zentralen Leitprinzip werden. Öffentliche Mittel sollen prioritär in nachhaltige Infrastruktur vor Ort fließen – insbesondere in die Umwandlung bestehender Tötungsstationen zu Kastrations- und Registrationszentren (Centru de Sterilizare si Inregistrare). Gleichzeitig verlangen wir vollständige Transparenz darüber, welche EU- und staatlichen Gelder eingesetzt werden und wofür sie konkret verwendet werden.

Entsprechend dem Willen der rumänischen Bevölkerung geht es nicht um ein unkontrolliertes Freilassen kastrierter Hunde. Wiederfreigelassen werden sollen nur Tiere, die sozialverträglich, gesundheitlich stabil und straßenerfahren sind. Aggressive oder nicht vermittelbare Tiere dürfen nicht auf die Straße zurückkehren, sondern sollen in kontrollierten, eingezäunten Arealen – nach existierenden Open Shelter Konzepten – tierschutzgerecht untergebracht werden, um gleichermaßen das Wohl der Hunde und der Bevölkerung zu gewährleisten.

Parallel dazu ist eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung notwendig. Nur wenn die rumänische Gesellschaft in die Strategie eingebunden wird und ein Umdenken gegenüber Straßenhunden stattfindet, kann ein nachhaltiger Strukturwandel gelingen.

Internationale Erfahrungen und wissenschaftliche Studien zeigen, dass Programme nach dem Prinzip „Trap, Neuter, Vaccinate and Release“ (TNVR) langfristig wirksamer sind als Tötungsstrategien. Wir rufen die Europäische Kommission sowie die rumänische Regierung und zugehörigen Behörden dazu auf, gemeinsam mit seriösen, registrierten Organisationen eine verbindliche, messbare und transparente Strategie umzusetzen.

Kastrationen sind nachweislich günstiger als Tötungen. Dadurch stehen perspektivisch Mittel zur Verfügung, mit denen eine nachhaltige Lösung umsetzbar ist, aus denen sich unsere nachstehenden Forderungen ableiten. Wir sind offen für einen konstruktiven und gegenseitigen Austausch.

 

Der 8-Schritte-Plan

zur chronologischen Umsetzung von „Kastration statt Tötung“

 

1) Transparenz schaffen

Sofortige Offenlegung aller EU- und nationalen Mittel, bestehender Verträge sowie laufender Programme als Grundlage jeder weiteren Maßnahme.

2) Taskforce einsetzen

Einrichtung einer gemeinsamen EU-Rumänien-Koordinationsgruppe mit Behörden, Veterinären und etablierten, registrierten NGOs zur operativen Steuerung und Überprüfung.

3) Sofortiges Moratorium für Tötungen und Umsetzung von TNVR

Ein sofortiges Moratorium auf Tötungen bildet die Grundlage für den Strukturwandel. Parallel erfolgt die Umsetzung von TNVR (Trap, Neuter, Vaccinate and Release), um Chaos zu verhindern, Kapazitäten umzulenken und die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen wie Fangen, Chippen, Impfen, Kastrieren und kontrolliertes Wiederfreilassen umzusetzen.

4) Umwandlung der Infrastruktur

Bestehende Tötungsstationen werden organisatorisch und finanziell gleichzeitig zu Kastrations- und Registrationszentren transformiert. Ziel ist eine veterinärrechtlich genehmigte Struktur ohne Interessenskonflikte mit bestehenden tierärztlichen Versorgungssystemen.

5) Massive Kastrationskampagnen starten

Nutzung vorhandener Budgets und veterinärmedizinischer Strukturen zur flächendeckenden Kastration von Straßenhunden und Besitzer-Hunden. Der rechtliche Begriff des Besitzes spielt dabei eine zentrale Rolle für Registrierung, Verantwortung und nachhaltige Umsetzung.

6) Kontrollierte Unterbringung und verantwortungsvolle Freilassung

Nicht vermittelbare oder aggressive Hunde werden in eingezäunten, überwachten Arealen nach langfristig tierschutzgerechten Konzepten untergebracht. Freilassungen erfolgen ausschließlich kontrolliert, vorbereitet und eingebettet in ein fachlich fundiertes Konzept – niemals unkoordiniert oder ohne Nachbetreuung.

7) Aufklärung und gesellschaftliche Einbindung

Breit angelegte Informations- und Sensibilisierungskampagnen stärken das Verständnis in der Bevölkerung für nachhaltige und tierschutzgerechte Lösungen und reduzieren langfristig Ablehnung gegenüber Straßenhunden.

8) Monitoring, Reporting und langfristige Stabilisierung

Laufende Datenerhebung, transparente Berichte und wissenschaftliche Begleitung sichern die Erfolgsmessung. EU-finanzierte Infrastrukturprogramme gewährleisten langfristige Stabilität und verhindern die Rückkehr zu Tötungsstrategien.

 

Sebastian Everding, Mitglied des Europäischen Parlaments

Nicolae Ștefănuţă, Vizepräsident des Europäischen Parlaments

Nathan Goldblat

Deutscher Tierschutzbund e.V.

VETO gGmbH

Tierhilfe Hoffnung e.V.

Asociația Save Our Paws

Hunde Adoption Direkt e.V.

Tasica Simu, Mitglied des Rumänischen Parlaments

Aljosha Muttardi

Hannes Jaenicke