Leiden im Schlachthof

Darmstadt Schlachthofkontrolle: 48,9 % der Rinder fehlbetäubt

Peta-Newsletter vom 18.04.2019

„Im Juni 2014 startete der Regierungsbezirk Darmstadt ein Projekt, in dessen Rahmen 32 Schlachtbetriebe im Hinblick auf tierschutzrelevante Aspekte kontrolliert wurden. Wie Sie sich vorstellen können, wurde eine Vielzahl an Verstößen dokumentiert. Dabei waren diese Kontrollen bis auf wenige Ausnahmen sogar angekündigt!

Die Verstöße umfassten unter anderem:

• Im Wartestall: keine oder falsche Fütterung bei mehr als sechsstündigem Aufenthalt, kein Melken, abgestellte Wasserzufuhr; kein Separieren von verletzten oder unverträglichen Tieren

• Fehler beim Zutrieb: hektisches Treiben, laute Geräusche, Stürze, Ausrutschen sowie Zerren an Gliedmaßen, Ohren oder Schwanz

• Fehler bei der Entblutung: Entblutestich zu klein oder falsch gesetzt, mehrfaches Nachschneiden; Beginn der Entblutung erst bis zu 20 Sekunden nach der Betäubung; zudem fehlende Kontrolle des Betäubungserfolges

Insgesamt war die Betäubung bei 38,4 % der Schweine (das waren 135 von 352!), 48,9 % der Rinder (23 von 47!) und 44,9 % der Schafe ungenügend.

Die Schlachthöfe im Raum Darmstadt sind keine Ausnahme. Bilder aus dem Rinderschlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG in Oldenburg zeigen, wie Rinder augenscheinlich nicht ausreichend betäubt wurden. Sie zeigen Kaubewegungen, krümmen ihren Rücken und machen zielgerichtete Bewegungen. All das sind deutliche Anzeichen für eine Fehlbetäubung – weshalb viele Tiere beim Einstich in den Hals reagieren. Auch wird zu keiner Zeit die Wirksamkeit der Betäubung überprüft. Arbeiter und anwesende Tierärzte sollten die Augenreaktion sowie die Atmung und die Bewegungen der Tiere beobachten.

Aufgrund der sich häufenden Vorfälle wird eines klar: Kein Tier in der Landwirtschaft stirbt stress- oder schmerzfrei, denn schon der Transport und die Betäubungsmethoden sind Tierquälerei. Oftmals müssen die Tiere sogar noch weitere Qualen, wie gewaltsames Treiben oder Fehlbetäubungen, ertragen. Und das Bio-Siegel hilft den Tieren im Schlachthof nichts – denn auch dieser Horror-Schlachthof in Oldenburg war bio-zertifiziert!

PETA hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gestellt und fordert eine dauerhafte Schließung des Betriebs sowie empfindliche Strafen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzschlachtverordnung. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat aufgrund der Strafanzeige von PETA ein Strafermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Schlachthofes Oldenburg eingeleitet (Az: NZS 1102 Js 79917/18). Wir hoffen, die Ermittlungen führen dazu, dass die Verantwortlichen für das von ihnen verursachte Tierleid bestraft werden und der Schlachtbetrieb dauerhaft geschlossen wird.“