Tierschutzpartei fordert nach der Eskalation beim DFB-Pokalspiel in Mannheim klare Konsequenzen und eine grundsätzliche Debatte über den Einsatz von Polizeipferden
Pressemitteilung, 24.08.2026
Die Bilder aus Mannheim sind erschütternd: Rauch, explodierende Pyrotechnik, aufgebrachte Menschenmengen und Polizeipferde mitten im Geschehen.
Beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern eskalierte die Situation massiv. Raketen wurden auf das Spielfeld und in Richtung der Tribüne geschossen, Menschen gelangten auf den Rasen und die Begegnung stand zeitweise unmittelbar vor dem Abbruch. Auch berittene Polizeikräfte wurden während dieser hochgefährlichen Lage auf das Spielfeld geschickt.
Nach Medienberichten wurden bei den Ausschreitungen 35 Polizeikräfte leicht verletzt. 85 Fans mussten medizinisch betreut werden, acht von ihnen kamen ins Krankenhaus.
Für die Tierschutzpartei ist klar: Pferde haben in einer solchen Situation nichts verloren. Pferde sind fühlende Lebewesen und Fluchttiere. Sie sind keine Einsatzgeräte, keine Absperrgitter und keine Werkzeuge zur Kontrolle von Menschenmengen.
Lärm, Rauch, Feuer, explosionsartige Geräusche, hektische Bewegungen, dicht gedrängte Menschenmengen und eine unübersichtliche Umgebung können bei Pferden Angst und Stress auslösen.
Dass Polizeipferde intensiv trainiert und an außergewöhnliche Situationen gewöhnt werden, ändert daran nichts. Ein Tier wird nicht dadurch weniger empfindungsfähig oder weniger schutzwürdig, dass Menschen ihm beigebracht haben, seine natürliche Fluchtreaktion zu kontrollieren.
Äußerliche Ruhe bedeutet nicht automatisch Stressfreiheit
Gerade bei Polizeipferden ist es problematisch, allein aus äußerlich kontrolliertem Verhalten auf das tatsächliche Befinden des Tieres zu schließen.
Wissenschaftliche Untersuchungen an Polizeipferden zeigen, dass physiologische Parameter wie Herzfrequenz und Cortisol zusätzliche Informationen über die Belastung eines Pferdes liefern können, die sich nicht immer eindeutig am sichtbaren Verhalten ablesen lassen.
In Untersuchungen zu Polizeipferden gehörten Übungen mit Feuer oder Rauch zu den Situationen, in denen deutliche physiologische Reaktionen festgestellt wurden.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zu Feuerwerk und Pferden zeigen, dass laute Knallereignisse erhebliche Angstreaktionen hervorrufen und mit einem Verletzungsrisiko verbunden sein können.
Training kann Reaktionen beeinflussen und Pferde an bestimmte Situationen gewöhnen. Es beseitigt jedoch weder ihre Empfindungsfähigkeit noch garantiert es, dass eine extreme und unvorhersehbare Einsatzlage für ein Tier belastungsfrei ist.
Das muss insbesondere dann gelten, wenn Raketen durch ein Stadion fliegen, Feuerwerkskörper explodieren und selbst Menschen verletzt werden.
Wenn selbst Menschen gefährdet sind, dürfen Tiere nicht hineingeschickt werden
Als Partei, die den Schutz der Tiere seit Jahrzehnten ins Zentrum ihrer politischen Arbeit stellt, halten wir es für nicht verantwortbar, Pferde in Situationen einzusetzen, in denen unmittelbar neben ihnen Böller, Bengalos oder andere pyrotechnische Gegenstände gezündet werden und die Lage jederzeit weiter eskalieren kann.
Pferde können bei solchen Einsätzen nicht nur psychisch belastet werden. Eine plötzliche Flucht- oder Schreckreaktion kann auch das Pferd selbst, die reitende Person und umstehende Menschen gefährden.
Dass ein Pferd gut ausgebildet ist, beseitigt dieses Risiko nicht vollständig.
Die Verantwortung liegt auf mehreren Seiten
Wir verurteilen ausdrücklich das Verhalten derjenigen, die Pyrotechnik auf oder in Richtung anderer Menschen, Polizeikräfte oder Tiere werfen oder schießen.
Wer so handelt, gefährdet Menschen und Tiere und trägt Verantwortung für diese Gefährdung. Das entbindet jedoch die zuständigen Behörden nicht von ihrer eigenen Verantwortung.
- Ein Polizeipferd entscheidet nicht, ob es ein Fußballstadion betritt.
- Ein Polizeipferd entscheidet nicht, ob es sich Rauch, explodierender Pyrotechnik und einer aggressiven Menschenmenge aussetzen muss.
- Ein Polizeipferd entscheidet nicht, ob es zur Kontrolle oder Zerstreuung von Menschen eingesetzt wird.
Diese Entscheidungen treffen Menschen. Und genau deshalb müssen diese Entscheidungen politisch und gesellschaftlich hinterfragt werden.
Wenn eine Situation derart eskaliert, dass Menschen durch Pyrotechnik verletzt werden und ein Fußballspiel kurz vor dem Abbruch steht, muss die Frage gestellt werden: Warum befinden sich dort noch Tiere?
Auch Elton kritisiert den Einsatz
Auch Moderator Elton hat nach den Bildern aus Mannheim öffentlich den Einsatz der Polizeipferde hinterfragt.
Er kritisierte, dass sich Pferde mitten zwischen explodierenden Feuerwerkskörpern befanden, und erinnerte daran, dass Pferde von Natur aus Fluchttiere sind. Gleichzeitig verurteilte er ausdrücklich diejenigen, die Raketen und Böller in Richtung der Tiere und der Polizeikräfte schossen beziehungsweise warfen.
Diese grundsätzliche Kritik teilen wir.
Pferde werden rechtlich zum Einsatzmittel gemacht
Das Problem reicht jedoch über den konkreten Vorfall in Mannheim hinaus.
Die rechtliche Behandlung von Dienstpferden zeigt, wie stark Tiere im Polizeidienst funktionalisiert werden. Im Bundesrecht werden Dienstpferde ausdrücklich als „Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“ eingeordnet.
Genau hier liegt aus unserer Sicht ein grundlegender ethischer Konflikt. Ein Pferd ist kein technisches Hilfsmittel.
Es ist ein empfindungsfähiges Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, einem eigenen Körper und der Fähigkeit, Angst, Stress und Schmerz zu empfinden. Tiere dürfen nicht zu Werkzeugen menschlicher Gewaltanwendung gemacht werden.
Die Tierschutzpartei fordert: Keine Polizeipferde bei Pyrotechnik und eskalierenden Einsatzlagen
Sobald Böller, Raketen, Feuerwerkskörper oder massive Pyrotechnik eingesetzt werden oder eine Lage gewaltsam eskaliert, müssen vorhandene Polizeipferde unverzüglich aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich gebracht werden.
Keine Polizeipferde bei vorhersehbaren Hochrisikolagen
Wenn bereits bei der Einsatzplanung mit erheblichen Ausschreitungen, aggressiven Menschenmengen oder massivem Einsatz von Pyrotechnik gerechnet werden muss, dürfen Pferde nicht als reguläres Einsatzmittel eingeplant werden.
Unabhängige Aufarbeitung des Einsatzes in Mannheim
Es muss aufgearbeitet werden,
- wie lange sich die Pferde während der Eskalation im Gefahrenbereich befanden,
- welchen konkreten Belastungen sie ausgesetzt waren,
- ob Pferde unmittelbar durch Pyrotechnik gefährdet wurden,
- nach welchen Kriterien über ihren Einsatz beziehungsweise einen möglichen Rückzug entschieden wurde und
- ob die Tiere anschließend tierärztlich und hinsichtlich möglicher Stressfolgen untersucht wurden.
Verbindliche Tierschutzstandards für Polizeipferde
Bund und Länder brauchen klare und überprüfbare Vorgaben dazu, unter welchen Bedingungen Polizeipferde überhaupt eingesetzt werden dürfen und wann ein Einsatz zwingend abzubrechen ist.
Das Tierwohl darf nicht erst dann berücksichtigt werden, wenn ein Pferd sichtbar panisch reagiert oder bereits verletzt wurde.
Tierfreie Alternativen müssen Vorrang haben
Polizeiliche Sicherheitskonzepte müssen so weiterentwickelt werden, dass Tiere überall dort ersetzt werden, wo personelle, organisatorische oder technische Alternativen zur Verfügung stehen.
Grundsätzliche Überprüfung des Einsatzes von Polizeipferden
Für uns reicht es langfristig nicht aus, nur einzelne besonders extreme Einsatzsituationen auszuschließen. Der Einsatz von Pferden zur Kontrolle, Abschreckung oder Zerstreuung von Menschenmengen gehört grundsätzlich auf den Prüfstand.
Ein moderner Rechtsstaat sollte seine Sicherheitsaufgaben so organisieren können, dass dafür keine Tiere in gefährliche, belastende oder gewaltsame Situationen gebracht werden müssen.
Tiere dürfen nicht für menschliche Gewalt bezahlen
Die Ereignisse von Mannheim machen das Grundproblem sichtbar:
- Menschen entscheiden sich für Gewalt.
- Menschen zünden und werfen Pyrotechnik.
- Menschen organisieren Fußballspiele und Polizeieinsätze.
- Menschen entscheiden darüber, welche Einsatzmittel verwendet werden.
Die Pferde haben sich für nichts davon entschieden. Sie dürfen deshalb nicht diejenigen sein, die die Folgen menschlicher Gewalt und menschlicher Entscheidungen tragen müssen.
Wir erwarten von einem modernen Rechtsstaat, dass Tiere nicht lediglich nach ihrem Nutzen für eine bestimmte Aufgabe bewertet werden, sondern als empfindungsfähige Lebewesen, für deren Schutz der Mensch Verantwortung trägt.
Polizeipferde sind keine Ausrüstung. Polizeipferde sind keine Einsatzgeräte. Polizeipferde sind Lebewesen.
Die Bilder aus Mannheim dürfen nicht mit dem nächsten Fußballwochenende wieder vergessen sein.
Sie müssen Anlass für eine grundsätzliche politische Debatte darüber sein, ob der Einsatz von Pferden bei Fußballspielen, Demonstrationen und anderen eskalationsgefährdeten Großveranstaltungen mit einem modernen Verständnis von Tierschutz und Tierrechten überhaupt noch vereinbar ist.
Wo Raketen fliegen, Feuerwerkskörper explodieren, Menschen aufeinander losgehen und die Lage außer Kontrolle gerät, haben Pferde nichts verloren.
PARTEI MENSCH KLIMA TIERSCHUTZ – Tierschutzpartei
Pressekontakt:
Dennis Landgraf
Bundesvorsitz, Pressesprecher
presse@tierschutzpartei.de
+49 175 123170
Quellen:
SPORT1 – Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel:
https://www.sport1.de/news/fussball/dfb-pokal/2026/08/ausschreitungen-in-mannheim-35-polizisten-verletzt
Eltons Kritik am Einsatz der Polizeipferde:
https://de.nachrichten.yahoo.com/armen-tiere-elton-kritisiert-einsatz-054831003.html
Studie zu Stress und Belastung von Polizeipferden:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23244508/
Studie zu Transport, Einsatztraining und Nachtpatrouillen bei Polizeipferden:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168159112003334
Studie zu Feuerwerk und dessen Auswirkungen auf Pferde:
https://www.cambridge.org/core/journals/animal-welfare/article/horse-and-donkey-owners-perspectives-on-fireworks-and-their-impact-on-equids-in-the-uk/5ED5A8618735660E29E57AC443F80463
§ 2 UZwG – Dienstpferde als „Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“:
https://www.gesetze-im-internet.de/uzwg/__2.html