Berlin, 23.02.2026 – Tote Tauben wurden vorletzte Woche im 2. Hof des Rathauses Köpenick in Berlin gefunden. Ursache ist offenbar das dort eingesetzte Taubenabwehrgel Bird Free, dessen Anwendung in mehreren Bundesländern bereits verboten ist. Die Tierschutzpartei stellte daraufhin einen Dringlichkeitsantrag auf sofortige Entfernung des Mittels. Die BVV Treptow-Köpenick vertagte auf Wunsch der Fraktion des Bündnis 90/Die Grünen die Entscheidung jedoch und verwies den Antrag in den Haushaltsausschuss. Frühestens in einem Monat ist mit einer Entscheidung zu rechnen.
Das Taubenabwehrgel Bird Free wird seit Dezember 2025 in einem Pilotprojekt am Rathaus Köpenick als Alternative zu den veralteten Taubenspikes eingesetzt. Es soll Tauben von behandelten Flächen fernhalten. In der Praxis kommen Tauben jedoch oft mit dem Gel in Kontakt. Das Gel verklebt Füße, Schnabel und Gefieder der Tiere. Die Folgen sind Flugunfähigkeit, Unterkühlung, Verkehrsunfälle und qualvolles Verhungern.
In fünf Bundesländern ist der Einsatz von Bird Free deshalb bereits verboten. Die Anwendung verstößt nach Einschätzung von Tierschutzorganisationen gegen mehrere Gesetze und kann den Tatbestand des § 17 Tierschutzgesetz erfüllen, der das Zufügen von Leiden ohne vernünftigen Grund unter Strafe stellt.
„Im 2. Hof des Rathauses liegen tote Tauben – direkt neben dem aufgestellten Gel. Wir haben sofort gehandelt und einen Dringlichkeitsantrag gestellt, weil jeder weitere Tag noch mehr Tieren das Leben kosten kann, neben Tauben auch anderen Vogelarten wie Spatzen und Meisen, aber auch Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen“, sagt Jennifer Schrodt, Verordnete der Tierschutzpartei. Die BVV stimmte der Dringlichkeit zwar zu, CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP und AfD vertagten eine Entscheidung zur akuten Situation jedoch auf die nächste Sitzung des Haushaltsausschusses.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel räumte während der Sitzung ein, dass auch im Innenhof des Rathauses – einem anderen Bereich als der 2. Hof – regelmäßig tote Tauben zu finden sind. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Mittel, wegen dem Tiere sterben und welches in anderen Bundesländern verboten ist, an einem Berliner Rathaus weiter eingesetzt wird und das Parlament keinen dringenden Handlungsbedarf sieht”, erklärt Schrodt.
Die Tierschutzpartei betont, dass weder Spikes noch Abwehrgele die Stadttaubenpopulation nachhaltig oder tierschutzgerecht regulieren können. Die einzige bewährte, tierfreundliche Methode sind betreute Taubenhäuser. Dort werden Eier gegen Attrappen ausgetauscht, die Population damit kontrolliert reduziert und die Tiere artgerecht versorgt.
Solange keine Entscheidung fällt, bleibt das Gel im Einsatz. Die Tierschutzpartei kündigt an, das Thema weiter öffentlich zu machen und alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen.