Wölfin Gloria – unser Brief an die Ministerin Ursula Heinen-Esser

Betrifft: Wolfsmanagement im Wolfsgebiet

Sehr geehrte Frau Ministerin Ursula Heinen-Esser,

auf Anregung des renommierten Wolfsexperten Jos de Bruin will die Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) auf die sich bald zuspitzende Lage im Wolfsgebiet aufmerksam machen in der Hoffnung, dass noch rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen getroffen werden können.

Die Wölfin „Gloria“, offizielle Kennung GW954f, ist aller Wahrscheinlichkeit nach trächtig. Sie richtet sich derzeit einen Bau ein, wo sie voraussichtlich im Mai ihre Jungen zur Welt bringen wird. Ein Wurf von vier bis sechs Welpen ist zu erwarten.

Diese Jungtiere werden in den folgenden fünf bis sieben Wochen noch gesäugt, werden aber schon nach spätestens einem Monat Fleisch aufnehmen können. Um ihren Nachwuchs zu ernähren, wird ihr Partner mit Beginn des Sommers verstärkt auf die Jagd gehen. In den Wäldern findet sich zwar genug Wild, leichtere Beute sind aber ungesicherte Weidetiere.

Hieraus ergeben sich zwei wichtige Konsequenzen für das schon ausgewiesene Wolfsgebiet:

  • Das Kerngebiet sollte während des Aufwachsens der Welpen bis mindestens Ende des Jahres von jedweder Jagdtätigkeit ausgeschlossen bleiben.
  • Im Wolfsgebiet / Jagdrevier empfehlen wir Weidetierhaltern von nun an konsequenten Herdenschutz zu betreiben und einzuhalten, wenn sie Wolfsrissen aktiv vorbeugen wollen. Dazu gehört das wolfssichere Einzäunen (u.a. Elektrozäune mit einer Mindesthöhe von 1,20m) der genutzten Weiden oder die sichere, nächtliche Unterbringung des Viehs in Stallungen, wenn die Weiden ohne Herdenschutz bleiben.

Im von Gloria bejagten Gebiet werden verschiedene Tierarten von Landwirten als Nutzvieh gehalten, darunter Schafe, Pferde und Rinder. Schon im Sommer 2019 hatten Sie auf eine Anfrage der Grünen-Landesfraktion hin klargestellt, dass die in der Förderrichtline Wolf festgesetzte Regelung nicht nur für Schäfer, sondern auch für Pferdehalter gilt. Es wäre wünschenswert, die Regelung zu überarbeiten und dann auch die Halter anderer Tierarten wie Pferde oder Rinder explizit mit einzubeziehen. Denn insbesondere Jungtiere wie Fohlen und Kälber sind ohne Schutz eine leichte Beute für Raubtiere.

Bis spätestens Juli 2021 sollten diese Maßnahmen der Information der Landwirte einerseits sowie der Klarstellung des Geltungsbereichs der Förderrichtlinie andererseits abgeschlossen sein, damit das Risiko eines Wolfsrisses minimiert werden kann.

Dieser Brief wurde durch die Landesarbeitsgruppe (NRW) Wildtierschutz erstellt und vom Landesvorstand versendet.