schaechtverbot-jetztIst Schächten Tierquälerei?

Die Position der Tierschutzpartei dazu:

Durch die Ankunft vieler Muslime wird derzeit viel über die Kultur und die Werte der muslimischen Welt debattiert. Besonders im Vordergrund steht hierbei der Umgang mit den Tieren. Das Schächten wird von Vielen als nicht zeitgemäße und tierquälerische Methode der Schlachtung angesehen, und ein generelles Verbot ist in der Diskussion. In den Niederlanden und anderen europäischen Ländern gab oder gibt es diverse (Teil-)verbote bereits. Das betäubungslose Schlachten, beim Schächten durch einen Halsschnitt und Ausbluten herbeigeführt, ist nicht ohne Grund auch in Deutschland prinzipiell verboten. Es gibt aber Ausnahmen, wenn die Religionsfreiheit höher bewertet wird als der Tierschutz, so dass beispielsweise Halal-Produkte nicht nur importiert, sondern teilweise auch in Deutschland selbst hergestellt werden. Hierfür werden Sondererlaubnisse erteilt, so dass es einige Schächt-Betriebe gibt.

Wie ist dies aus Tierschutzsicht zu bewerten? Betäubungsloses Schächten ist ganz klar mit außerordentlichen Schmerzen für das Tier verbunden, wie von etlichen Fachgutachten festgestellt wurde. Ein Verstoß gegen den Tierschutz, der im Grundgesetz verankert und im Tierschutzgesetz ausgeführt wird, liegt also vor.

Sollte man sich daher gezielt um ein Schächtverbot bemühen? Hier gilt es zu differenzieren und zu hinterfragen. Denn das Schächten mit Betäubung ist gesetzlich erlaubt und wird von vielen Fachleuten als gleichwertig mit den hierzulande üblichen Schlachtmethoden bewertet. remigiuszDer Islam schreibt auch nicht eindeutig vor, ob das Schächten mit oder ohne Betäubung vorzunehmen sei, so dass die meisten muslimischen Rechtsgelehrten eine vorherige Kurzbetäubung des Tieres als islamisch ansehen. Kritik gibt es aber an der Dauer und Wirkung dieser Betäubung, so dass hier nochmals darauf geachtet werden sollte, dass der gültige Rechtsrahmen für den Tierschutz auch wirklich eingehalten wird. Schächten galt zur Zeit seiner Einführung als die schonendste Schlachtmethode. Aber auch sehr religiös geprägte Länder wie Israel und Menschen mit großer Nähe zu Religion und Tradition sehen ein Umdenken als notwendig an.

Es gilt aber generell zu hinterfragen, inwieweit man sich auf ein Schächtverbot konzentrieren sollte. Denn in der konventionellen Massentierhaltung werden bis zu 10 % aller Betäubungen als wirkungslos eingeschätzt, was an den industriellen Automatisierungsmechanismen und menschlichen Fehlern liegt. Daher gibt es tierquälerische Vorgänge regulär und systematisch auch bei den Schlachtmethoden, die wir hier als „zeitgemäß“ ansehen wollen. Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz möchte das Verbot aller Tierquälerei, unabhängig davon, welcher kulturelle Hintergrund vorliegt, und wir warnen davor, dass der Tierschutz missbraucht wird von Politikern und Parteien, deren eigentliches Ziel ein gänzlich anderes ist.