Plastik am Strand

Mikroplastik in Gewässern

Plastikpartikel in hoher Konzentration im Rhein und in „Speisefischen“ aus Nord- und Ostsee festgestellt

Plastik ist aus unserem gesamten Alltag kaum noch wegzudenken. Es ist kostengünstig herzustellen, universell einsetzbar und pflegeleicht. Wir werden mit Plastik groß und leben mit Plastikprodukten tagein, tagaus und sind teilweise von Plastik eingeschlossen. Die Tastatur auf der wir schreiben: Plastik. Der Bildschirm auf dem das Geschriebene zu lesen ist: Plastik. Der Computer: Plastik. Drucker, Telefon, Stifte, Stempel, Maus, Klebeband. Vom Schraubverschluss auf der Glasflasche bis zur modischen Brille auf der Nase: überall Plastik. Selbst die Banane, die von einer natürlichen und naturechten „Verpackung“ eingeschlossen ist, wird oft noch in Folie eingeschweißt. Die Liste der Erzeugnisse aus Plastik ließe sich jetzt beliebig lange fortsetzen. Das, was uns als Segen erscheint, hinterlässt in der Natur jedoch oft unmerklich tiefgreifende Spuren und allzu oft wird Tieren der Kunststoff zum Verhängnis. Für unseren ausufernden und unüberlegten Plastikeinsatz müssen wir alle am Ende bitter bezahlen: Allen voran die Natur und die Tiere. Wir berichteten im MUT-Magazin / Ausgabe 2 Nr. 47.

Rhein massiv mit Plastikmüll verseucht

Neue Schlagzeilen zum Thema Plastik machten im Dezember vergangenen Jahres die Runde. Dass in den Weltmeeren riesige Inseln aus Plastikmüll treiben, ist seit langem schon bekannt. Jetzt haben Wissenschaftler den Rhein, als den ersten großen Meereszufluss, auf Plastikabfall untersucht und erschütternde Ergebnisse ans Tageslicht gebracht: „Die Konzentrationen von Mikroplastik im Rhein liegen damit im Bereich der höchsten Konzentrationen der bisher weltweit untersuchten Gewässer“, sagt die Leiterin der Studie, die Biologin Patricia Holm von der Universität Basel.

Gefährliche pestizidbelastete Plastikteile

Laut den Wissenschaftlern treten die Plastikteilchen als Zwischenprodukt bei der Kunststoffherstellung sowie als Granulat in Reinigungs- und Pflegeprodukten auf und entstehen bei der Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt. Miniplastikpartikel bereiten den Wissenschaftler die größten Sorgen: „Je kleiner die Plastikpartikel sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese von Tieren aufgenommen werden können. In kleinen Tieren, wie Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen ließen sich bereits aufgenommene Mikropartikel nachweisen. Gefährlich ist neben der mechanischen Wirkung vor allem, dass die Partikel Schadstoffe enthalten und anreichern können. Pestizide zählen dazu, Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) – allesamt gesundheitsschädlich oder krebserregend. Ihre Konzentration kann in den Plastikpartikeln nach Analysen bis zu 100.000-fach höher sein als in der Umgebung.“ (Quelle: http://www.focus.de/wissen/natur/wissenschaft-rhein-stark-mit-winzigen-plastikteilen-belastet_id_5139625.html)

Plastikteilchen in den Mägen von Nord- und Ostseefischen

Die nächsten Schlagzeilen zum Thema Plastikteilchen ließen nicht lange auf sich warten.

Freie Presse / 12.01.2016: Biologen vom Alfred-Wegner-Institut (AWI) in Bremerhafen konnten jetzt erstmals winzige Plastikteilchen in den Mägen von Nord- und Ostseefischen nachweisen. Bei 290 Makrelen, Flundern, Heringen, Dorschen und Klieschen wurden die Mageninhalte und Verdauungsorgane auf Plastik untersucht. Dabei wurden unterschiedliche Konzentrationen von Plastikteilchen in den verschiedenen Fischarten festgestellt. Bisher lassen sich die Folgen für den Menschen, der unwissentlich mit Plastikteilchen angereicherten Fisch verzehrt, noch nicht abschätzen. Studien laufen bereits. Der bis jetzt weitverbreitete Slogan, das Fisch gesund sei, dürfte spätestens durch diese Nachricht Kratzer bekommen haben.

Sabine Jedzig / 13.01.2016