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Bienensterben

Die verschwundenen Bienen

Sag’ mir, wo die Bienen sind, wo sind sie geblieben…?

„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Diese Aussage, die Albert Einstein zugeschrieben wird, macht deutlich, wie sehr der Mensch von einer einzigen Tierart wie der Biene existenziell abhängig ist, denn mehr als 80 Prozent der auf Bienenbestäubung angewiesenen Gewächse, wie Obstbäume und Sträucher, Beeren, Gemüse und Blumen werden durch die fleißige Honigbiene (Apis mellifera) bestäubt. Zwar gibt es zahlreiche Arten anderer bestäubender Insekten (Hummeln, Wildbienen u.a.), doch bilden die meisten wilden Bienen – im Gegensatz zu den Hummeln – keine Staaten, sondern leben einzeln und können nicht die gesamte Bestäubungsarbeit leisten. Es kommt hinzu, dass die Hälfte der einheimischen rund 500 Bienenarten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere steht.

Die Anpassungs- und Lernfähigkeit der Honigbiene im Kollektiv ist enorm; Insektenforscher sprechen auch von „Schwarmintelligenz“. Vielleicht ist dies der Grund, dass ihr Überleben bei all den Widrigkeiten unserer hoch industrialisierten Welt bis jetzt noch möglich war. Aber sie ist keinesfalls gefeit gegen Gifte oder Krankheiten und reagiert z.B. auch stark auf elektromagnetische Felder. Die Bienen sind bedroht, die Balance ist unübersehbar ins Wanken geraten!

Vor einigen Jahrzehnten schon wurde aus Asien die Varroamilbe eingeschleppt. Sie befällt die Bienen und ihre Larven. Bei starkem Befall droht Bienenvölkern ein Massensterben, zumindest aber schwächt die Varroamilbe ihre Opfer so sehr, dass diese dann eventuellen anderen Krankheitserregern oft nichts mehr entgegenzusetzen haben. So klagen Imker in Deutschland und anderen europäischen Ländern in manchen Jahren über außergewöhnlich hohe Verluste.

Seit 1994 ist z.B. in Frankreich rund die Hälfte aller Bienenvölker gestorben. Die Imker machten hierfür allerdings das von BAYER vertriebene Pestizid GAUCHO (ein Beiz- und Spritzmittel mit dem Wirkstoff Imidacloprid) verantwortlich, das als „bienengefährlich“ deklariert wird. Der genannte Wirkstoff ist auch in etlichen anderen BAYER-Produkten enthalten und müsste eigentlich verboten werden. Systemische Insektengifte steigen nämlich aus dem Samen in alle Pflanzenteile, sind sogar in Pollen und Nektar zu finden und verbleiben noch etwa 3 Jahre im Boden; so wird dieses Toxin auch ohne erneute Anwendung von den nachfolgenden Pflanzenkulturen aufgenommen. Forschungsaufträge laufen zwar – die Krux ist nur, dass Institute kaum staatliche Gelder bekommen. „Großzügig“ springt da BAYER ein und somit wird das Ganze wieder mal zum firmeneigenen Alibitheater! Schweigen bei den Medien – auch da macht sich anscheinend der lange Arm des Konzerns bemerkbar.

Weitaus schockierendere Meldungen kommen seit Ende 2006 aus den USA. Binnen kurzer Zeit ist aus 27 US-Bundesstaaten eine zweistellige Milliardenzahl von Honigbienen einfach verschwunden – gerade so, als hätten sie sich in Nichts aufgelöst. Betroffen sind vor allem die West- und Ostküste Nordamerikas und auch Teile Kanadas. In diesen Gebieten ist sogar von einem bis zu 75-prozentigen Verlust der Bienenbestände die Rede. Der dadurch entstandene wirtschaftliche Schaden wird schon jetzt auf 14 Milliarden US -Dollar geschätzt, und nun … auf einmal wird das Bienensterben zum großen Thema in den Medien, denen das Artensterben anderer Spezies doch sonst kaum eine Meldung wert ist!

Es ist bis jetzt rätselhaft, warum Bienen ihren Stock verließen und ihre Larven nicht mehr versorgten – die verhungern mussten, obwohl Nahrungsvorräte vorhanden waren. Dieses noch nie da gewesene Phänomen, verbunden mit der völligen Unklarheit über Gründe und Ursachen, führt bei den betroffenen amerikanischen Bienenzüchtern zur Katastrophenstimmung und selbst Ernährungsexperten sind alarmiert: Es könne zu einer ernsthaften Krise in der Nahrungsversorgung kommen! Einen Namen hat die seltsame Erscheinung – das Sterben, das keine Spuren hinterlässt – auch schon. Vom Colony Collapse Disorder (CCD = Kolonien-Zusammenbruchs-Störung) sprechen Imker und Bienenforscher.

Es gibt die verschiedensten Vermutungen: Neben Parasiten werden Befall von unbekannten Bakterien, von Killerviren und Pilzen sowie Rückstände von Insektiziden genannt. Belastend für die Tiere könnten auch die in Amerika praktizierten Bienen-Transporte sein, bei denen riesige gekühlte Trucks mit Bienenvölkern auf weite Reisen zu den Monokulturen von Obstplantagen geschickt werden. Wegen der hohen Stressbelastung und den damit verbundenen Krankheitsgefahren verabreicht man oft prophylaktisch Antibiotika. Sehr treffend wird bereits von „Bienen-Aids“ gesprochen – ihr Immunsystem sei zusammengebrochen.

Diskutiert wird auch eine mögliche Verhaltensänderung durch die Einkreuzung mit afrikanischen Bienen. Auf der Liste der Möglichkeiten steht außerdem die Auswirkung von Mobilfunkstrahlung.

Eine Studie aus Großbritannien wiederum belegt die Schädlichkeit für Bienen und Schmetterlinge durch Gen-Rapsanbau. Ohnehin fällt der Verdacht in erster Linie auf die Grüne Gentechnik, obgleich dies von den meisten Forschern auffallend bagatellisiert wird (denn: siehe oben – wo bekäme man sonst seine Forschungsgelder her?) Gefährlich für die Bienen könnte auch die in den USA praktizierte Winterfütterung mit dem billigen HFCS (high fructose corn syrup) sein, ein Sirup, der aus gemahlenem Gen-Mais hergestellt wird. Der sog. Bt-Mais produziert ein Insektengift, das die Larven des Maiszünslers und des Maiswurzelbohrers tötet, indem es deren Darm durchlöchert. Wird dieses Gift möglicherweise auch für Bienen zur tödlichen Falle? In den US A werden genmanipulierte, Insekten-resistente Pflanzen bereits auf 40 Prozent der Maisanbaufläche kultiviert. In Deutschland sind es bis jetzt „nur“ 0,06 Prozent. Im Januar 2006 wurde als Lebens- und Futtermittel die Gen-Maissorte MON863 (Hersteller Monsanto) für den Import in die EU freigegeben. Laut Bioland wurden in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2005 zu Prüfzwecken (!) 32 gentechnisch veränderte Maissorten geheim angebaut. Ende 2005 hatte Minister Seehofer dann sehr schnell den umstrittenen Gen-Mais MON810 zur Aussaat zugelassen – und zwar zur Futtermittelproduktion. Zur Risikobewertung wurden übrigens irrsinnige, 90 Tage dauernde Ratten-Fütterungsversuche gemacht! Die bedenklichen Ergebnisse führten wohl in der Folge dazu, dass in diesem Frühjahr die bereits gegebene Genehmigung für den Anbau dieser Sorte zurückgezogen wurde. Aber: Trotz massiver Proteste aus der Bevölkerung und rund 15.000 Einwendungen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Anfang Juni 2007 der Firma Monsanto die Freisetzung gentechnisch veränderter Mais-Sorten bis zum Jahr 2011 genehmigt!

Dies geschehe nur zu wissenschaftlichen Zwecken und unter Sicherheitsauflagen. Dazu die übliche Beschwichtigung: Bei Einhaltung der Bestimmungen gebe es keine Risiken für Mensch und Umwelt. Erneut wird uns hier die rücksichtslose Macht der Gen-Industrie vor Augen geführt. Die Bienen sind ein ganz wichtiger Indikator für eine intakte Natur. Sie können nicht überleben in einer Umwelt, die durch Chemiegifte und Gentechnik immer mehr verseucht wird.

Man kann Vernichtungsfeldzüge ohne militärische Waffen führen, sie sind leiser, aber durchaus nicht weniger gefährlich. Wer Grüne Gentechnik gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung zulässt, macht sich der Vergewaltigung und der Vernichtung von Lebensgrundlagen schuldig.

Ingeborg Holst / 2007