Was tun? Corona-Krise zwingt zum Handeln und Umdenken!

Durch die gravierende Covid-19-Pandemie gibt es A) sofortigen Handlungsbedarf, bei dem jede Stunde des Zögerns fatale Folgen haben kann und B) die Notwendigkeit, über die Grundlagen unserer Gesellschaft nachzudenken und sie für kommende Krisen zu rüsten. Die Todesraten und Anzahl an Intensivpatienten in einigen Gebieten Frankreichs und Italiens sind so hoch, dass das dortige Gesundheitssystem zusammengebrochen ist. Leidtragend sind insbesondere auch Erkrankte, die nicht an Covid-19 leiden. In vielen Kliniken muss entschieden werden, wer überleben darf und wer sterben muss, da die Kapazitäten nicht ausreichen. Insbesondere Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Lungenvorerkrankungen sind betroffen, aber zunehmend auch junge Menschen. Niemand ist letztlich sicher.

Um es konkret zu machen, damit jedem klar ist, worum es geht: wie stirbt man an Covid-19? Man erstickt qualvoll, erleidet einen septischen Schock oder der Kreislauf bricht durch Multiorganversagen zusammen. Und wenn man überlebt, hat man teilweise schwere dauerhafte Schäden mit bis zu 30 % Einbußen an Lungenvolumen und somit einer generell verringerten Sauerstoffversorgung.

Auch in Deutschland wurde der Gesundheitsbereich massiv zusammen gespart und privatisiert, aber noch sieht es hier vergleichsweise besser aus für die Patientinnen und Patienten. Dennoch müssen wir jetzt handeln, solidarisch sein, die Ausweitung der Krise auf die gesamte Wirtschaft verhindern und neue Konzepte für die Zeit nach der Krise haben.

A) Was jetzt zu tun ist:

  1. Massive Aufstockung der Kapazitäten im Gesundheitsbereich
    Dazu gehört die Auslieferung von Tests und die Einrichtung von mobilen Teststellen, so dass das Ausmaß der Pandemie erfasst wird und Infizierte gezielt isoliert werden können. Zudem muss die Produktion auf Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte umgerüstet werden, wo es geht und die Entwicklung von medizinischen Mitteln zur Bekämpfung der Krankheit muss vorangetrieben werden. Entsprechende Sofortprogramme sind finanziell und logistisch vom Staat zu unterstützen. Solidarisch müssen sich alle Länder derzeit zeigen, die noch Kapazitäten haben und Erkrankte aufnehmen können aus Ländern, deren Gesundheitssystem bereits zusammen gebrochen ist. Auch dies hilft, die langfristigen Auswirkungen der Krise für alle zu reduzieren. Aber auch Public-Private-Partnerships müssen in dieser akuten Situation genutzt werden, denn sie können wichtige Lücken bei Forschung und Entwicklung füllen. Auch muss sofort neues Personal im Pflege- und Medizinbereich gewonnen werden. Löhne rauf bei wirklich systemrelevanten Berufen! Nichts ist aktuell wichtiger als Menschen, die sich um erkrankte Personen kümmern!
  2. Umfangreiche Finanzhilfen gewähren
    Bricht die Wirtschaft zusammen, folgt eine Rezession mit Arbeitslosigkeit und Bankenzusammenbrüchen. Betroffen sind davon immer am stärksten die Armen und Schwachen. Hierzulande, aber auch insbesondere in den sogenannten Entwicklungsländern. Dem müssen die nationalen Regierungen und die Europäische Union massiv entgegenwirken. Eine wichtige Komponente ist hierbei eine aktive Finanzpolitik: direkte Finanzhilfen, Anleihekäufe, Kredite und Bürgschaften, sowie der Verzicht auf Steuern und Gebühren, wenn Personen und Firmen aufgrund der Pandemie nicht in der Lage sind, diese zu entrichten. Dies muss unbürokratisch ablaufen und in Größenordnungen, die das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Regierungen bewahren. Wichtig ist hierbei, dass aber die krisenanfälligen Branchen und Unternehmensgrößen abgedeckt werden sowie die Bereiche, die am stärksten benötigt werden, um die Krisenzeit zu überstehen und um nach der Krise eine nachhaltige, ökologische und soziale Wirtschaft zu gewährleisten. Das Kurzarbeitergeld ist massiv aufzustocken. Nachbarschaftshilfen brauchen unbürokratische Hilfen, wohnungslosen Menschen muss bedingungslos eine sichere Unterkunft mit sanitären Anlagen bereitgestellt werden, und für ihre sonstigen Grundbedürfnisse gesorgt sein.
  3. Transparente Informationspolitik betreiben
    Alle Bürgerinnen und Bürger müssen umfassend und transparent über sämtliche Maßnahmen, Möglichkeiten, Risiken und Entwicklungen auf allen möglichen Kommunikationswegen informiert werden. Medizinische und epidemiologische Erkenntnisse sowie Krisenplanungen müssen zeitnah vollumfänglich kommuniziert werden. Die Gefährlichkeit von Pandemien muss durch eine umfassende Datenlage erklärt werden, damit Fake News keine Chance haben. Gefährliche Lügen und Halbwahrheiten können Leben gefährden, politische Unruhen provozieren und somit die Erholung nach der Krise verzögern. Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Menschen benötigen jetzt ausreichend Informationen, wo sie Hilfe erhalten können, wie sie sich vor Ansteckung schützen und wie sie ihre Versorgung im Alltag aufrecht erhalten können. Soziale Projekte, Umwelt- und Tierschutz dürfen in diesen Zeiten nicht zusammenbrechen, Hilfebedarf und Hilfsangebote müssen weitaus stärker als zuvor öffentlich gemacht und koordiniert werden.

B) Was muss sich langfristig ändern?

  1. Aufarbeitung der Fehler, die zur Krise führten
    Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein! Wir benötigen massive Investitionen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Umwelt, Bildung und Agrarwende. Der Abbau der Krankenhauskapazitäten war grundfalsch. Wir brauchen Aufstockung des Personals im Pflege- und Gesundheitsbereich, indem wir die Ausbildung und die Vergütung attraktiver machen. Das ist das A und O der Prävention künftiger Epidemien und Pandemien. Und die werden immer mehr und immer heftiger werden, da Viren stetig weiter mutieren und die Multiresistenzen insbesondere in der Massentierhaltung zunehmen. Das Risiko wird immer größer, je mehr Virenreservoirs es gibt. Die Abhängigkeiten der Medikamentenversorgung von wenigen Produktionsstätten, die aufgrund von Niedrigstpreisen die Ausschreibungen der Pharmaindustrie gewannen, muss wieder räumlich diversifiziert und krisenfest gemacht werden. Alle Bereiche unserer gewohnten Umgangsweisen müssen auf den Prüfstand – so sollten beispielsweise die klimaschädlichen Kreuzfahrtschiffe endlich als ernsthaftes Sterberisiko angesehen werden angesichts der dort bestehenden Gesundheitsrisiken. Arbeit, Konferenzen, Großereignisse können verstärkt digital organisiert und  durchgeführt werden.
  2. Rückkehr zu Bürgerrechten
    Die Krise muss aufzeigen, dass die Formel „Menschen vor Profite“ uneingeschränkte Geltung hat. Dafür müssen einige Freiheiten in Krisenzeiten aufgegeben werden, damit die wichtigste Freiheit, leben zu können, bewahrt wird. Aber nach der Krise ist wichtig, dass wir die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger wieder in den Vordergrund stellen. Überwachung, Bewegungseinschränkungen, Verbote – all das muss wieder zurückgefahren werden. Eines muss bewusster werden als jemals zuvor: wie wichtig es ist, dass wir Menschen treffen können, dass wir uns nah sein und uns austauschen können, dass wir angstfrei sein können.
  3. Systemrelevanz neu definieren, solidarisches Mitgefühl als Leitmotiv
    Die Pandemie hat die globale Dimension des menschlichen Wirkens auf unserem Planeten aufgezeigt. Es gibt keine natürlichen Grenzen und die gab es auch nie, wie frühere Pandemien bereits zeigten. Das Virus kommt über Flugzeuge mit Touristen und Geschäftsleuten, breitet sich dann rasant innerhalb der Länder aus – Mauern, Grenzzäune und Schlagbäume sind im Gegensatz zu Hygiene und Distanz völlig untauglich, um Pandemien einzudämmen. Es gibt jedoch Nationalismus und Rassismus als gesellschaftliche Ebene des Egoismus und zigtausende Familien in Flüchtlingslagern ohne ausreichend Wasser, Medizin, Sanitäranlagen. Wenn dort eine Epidemie ausbricht, ist es ihr Todesurteil! Die Lehre aus der Corona-Pandemie muss sein, dass jeden Menschen dasselbe Schicksal ereilen kann, auch wenn einzelne Regionen und bestimmte Bevölkerungsgruppen mehr als andere vom Virus und den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind. Letztlich sind wir alle gleich verwundbar und dies überall auf der Welt. Mitgefühl ist der Schlüssel für ein gelingendes Gemeinschaftswesen, auf lokaler wie auf globaler Ebene. Und eine entscheidende Erkenntnis muss sich durchsetzen: wirklich systemrelevant sind die Bereiche Medizin, Versorgung, Bildung. Dort, wo Menschen füreinander tätig sind, besonders hart arbeiten, in denen aber besonders wenig verdient wird im Vergleich zu Banken, Versicherungen, Rüstungs- und Ölindustrie.
  4. Tierschutz neu denken
    Spiegel: Nicht nur Fleisch von Wildtieren ist ein ProblemWir als Gesellschaft müssen endlich begreifen, dass der Umgang des Menschen mit der Tierwelt grundfalsch ist. Nicht nur aus der klassischen Tierrechtsperspektive, die unethische Praktiken im Blick hat, da Tiere unfassbare Qualen in der Lebensmittel- und Textilindustrie erleiden, sondern auch aus der Erkenntnis heraus, dass multiresistente Keime in der Tierhaltung, Tierseuchen in der Massentierhaltung und Zoonosen bei Wildtieren eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit darstellen. Zudem gibt es Erkenntnisse darüber, dass das rasanteste Artensterben der Erdgeschichte, in dem wir uns befinden, auch zu einem genetischen Engpass führt, der die Anfälligkeit für Krankheiten drastisch erhöht, die dann die Entstehung von Pandemien begünstigt. Neben den dringend nötigen Reformen in der Landwirtschaft, so dass Massentierhaltung, Tierquälerei und Artensterben grundsätzlich beendet werden, muss zudem jegliche Tierausbeutung an sich kritisch hinterfragt werden. Auch hier ist Mitgefühl als zentraler Wert jeder gesellschaftlichen Entscheidung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein wesentlicher Ansatz. Nie wieder darf egoistische Sucht, etwa nach Essensgelüsten, materieller Gier oder unnötige Abwertung anderen Lebens bestimmen, wie wir unser aller Zusammenleben organisieren. Die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, dass dies unser Todesurteil sein kann und wenn wir es nicht begreifen, werden womöglich weitere Katastrophen folgen und unsere Kinder und Enkel heimsuchen. Lassen wir das nicht zu!

 

Linkliste zum Zusammenhang von Pandemien
und Tierhaltung/Artensterben:

Zoonosen – wie entstand das Corona-Virus? (ARD)
Warum Viren in Tieren so gefährlich sind (SPIEGEL)
Corona und ausbeuterische Landwirtschaft: Weg vom Fleischmarkt (taz)
WHO zum Coronavirus: „Sehr wahrscheinlich tierischen Ursprungs“ (Tagesschau)
Experten: Massentierhaltung provoziert Pandemien (ORF) 
Schweinegrippe, Vogelgrippe – oder was auch immer kommen mag (Ärzteblatt)
CORONA-PANDEMIE: »Viren gedeihen auch in unseren Ställen« (Wissen.de)
Brutstätte Wildtierhandel: Wenn China ihn nicht abschafft, drohen weitere Pandemien (FOCUS)
Zoonosen: Pelztiere erkranken massenhaft an Covid-19 (Süddeutsche Zeitung)
Mehr Biodiversität, weniger Viren (der Freitag)
Wenn Krankheitserreger von Tieren auf Menschen springen (Quarks)
Lebende Schildkröten aus dem Supermarkt (Deutschlandfunk)
Corona: sind Pangoline das fehlende Bindeglied? (Scinexx)
„Nächstes Virus könnte Hundert Millionen Menschen töten“ (Tag24)
Respektloser Umgang mit Natur: Jane Goodall gibt Menschen Schuld an Pandemie (n-tv)
Coronavirus – „Wildtierhandel muss aufhören“ (DIE ZEIT)
Fleischkonsum fördert Virus-Verbreitung (OE24)
Drosten bringt neue Virusquelle ins Spiel (n-tv)
ILLEGALER WILDTIERHANDEL: Ein Affe im Warenkorb (Spektrum)
Wie die Coronavirus-Pandemie mit der Zerstörung von Tier- und Pflanzenwelt zusammenhängt (DW)
Corona-Virus: Wie uns Artenschutz vor Krankheiten schützen kann (WWF)
Wegen des Verzehrs exotischer Tiere nach Sars-Pandemie: Forscher warnten schon 2007 vor erneutem Corona-Ausbruch (Focus)
Pandemien: Umweltzerstörung fällt auf den Menschen zurück (Pharmafakten)
Mensch hat Viren den Weg geebnet (ORF)
Wie man künftig Pandemien verhindern kann (NZZ)
Faktencheck: Corona von Fledermäusen? Eine Molekularbiologin klärt auf (Volksverpetzer)
Bundestag nimmt Übertragung von Tier auf Mensch in den Blick (Mainpost)
Der Ursprung der Pandemie: Warum Seuchen wie diese häufiger werden (WELT)
Was Epidemien mit der Zerstörung intakter Ökosysteme durch den Menschen zu tun haben (Freitag)
Die Verbreitung von Viren wie Sars-CoV-2 ist ein Preis der Gier (Frankfurter Rundschau)
Pandemien könnten häufiger werden – Schuld ist der Mensch (Berliner Morgenpost)
Christian Drosten: „Wir haben in Deutschland einige Vorteile gegenüber anderen Ländern“ (stern)
Naturforscher über COVID-19: „Alles, was wir Menschen tun, kommt zu uns zurück“ (GEO)
Wann kommt die nächste Pandemie? Emerging Diseases und ihr Gefahrenpotenzial (Scinexx)
Wie Tierproduktkonsum zu Pandemien beiträgt (Albert Schweitzer Stiftung)
Zoonosen: Warum unser Hunger auf Fleisch immer wieder Pandemien auslöst (PeTA)
Solche Tiere wurden auf dem Markt in Wuhan verkauft (Handelszeitung)
Das Coronavirus als Frage der Tierethik? (Sonnenseite)
Wie springen Viren vom Tier zum Menschen über? (Wissen.de)
UNO: Verbot von Wildtier-Märkten um zukünftige Pandemien abzuwenden (World News Monitor)
Wie man Pandemien in Zukunft verhindern kann (Der Standard)
Wie Fleischkonsum Epidemien begünstigt (MT)
Zoonosen und Corona – Wie lassen sich neue Pandemien verhindern? (detektor)
Sprung über die Artengrenze – Wie Viren vom Tier zum Menschen gelangen (Süddeutsche Zeitung)
IST FLEISCHKONSUM SCHULD AM CORONA-VIRUS? (Vegan Info)
Nach China geschmuggelte Schuppentiere mit SARS-CoV-2 (Südtirol News)
Coronavirus: Von Chinas Wildtiermärkten und Italiens Textilindustrie (Industriemagazin)
Corona und Tiere: Auch Schuppentiere unter den Opfern (taz)
Schulze will künftige Pandemien mit konsequentem Naturschutz verhindern (Topagrar)
Schuppentiere waren Zwischenwirte (ORF)
Konsum von Tierprodukten verursacht Pandemien wie COVID-19 (VGT)
Mensch macht Tier zur Virenschleuder (Bluewin)
Epidemiologie: Gestresste Fledermäuse übertrugen das Virus (ORF)
Nicht das Schuppentier ist Schuld, sondern der Mensch (MDR)
Pandemien und ihre Ursachen: Der Mensch ist schuld an Covid-19 (SPIEGEL)
ERREGER-RESERVOIRE: Vom Virus böse missbraucht (FAZ)
Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens bei Markus Lanz (ZDF)
Reserveantibiotika können in der Tierhaltung weiter eingesetzt werden (HPD)
Massentierhaltung als Pandemie-Risiko (Frankfurter Rundschau)
Forscher warnen vor Massentierhaltung (Focus)
Hat die Pandemie einen Sinn? (Deutschlandfunk Kultur)
Welt der Viren (ZDF)
Wildtierhandel, Corona-Pandemie und Artenschutz (ZDF Terra X)
Bats are not to blame for coronavirus. Humans are (CNN)
‚Tip of the iceberg‘: is our destruction of nature responsible for Covid-19? (The Guardian)
Global trends in emerging infectious diseases (nature)
Zoonoses – List of diseases (WHO)
Was hat dein Pelzkragen mit Corona zu tun? (Youtube)
Want to Stop the Next Pandemic? Start Protecting Wildlife Habitats (TIME)
Fact check: Is COVID-19 caused by human consumption of animals?
„Big Farms Make Big Flu“ with biologist Rob Wallace (Youtube)
The best way to prevent future pandemics like coronavirus? Stop eating meat and go vegan (Euronews)